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TZ / 18.12 2009

NACHRUF

Seine Handschrift adelt die Marktgemeinde Holzkirchen
Helmut Grießer ist verstorben


Helmut Grießer Ganz Holzkirchen trägt seine Handschrift: war vielleicht der aktivste Behinderten-Beauftragte im Landkreis. Hartnäckig setzte er sich dafür ein, dass in der Gemeinde Barrieren für Menschen mit Behinderungen verschwinden oder gar nicht erst entstehen. Ein Fürsprecher der Schwachen, der auch Konflikte nicht scheute. 
Überraschend ist der 66-jährige Holzkirchner jetzt gestorben; gestern fand die Beisetzung statt. "Wir haben viel von ihm gelernt", sagt Bürgermeister Josef Höß, „er hat uns immer wieder gesagt, was bei Baumaßnahmen für Behinderte wichtig ist." Die Rillen im Bushäuschen am Marktplatz (für Sehbehinderte), der stufenlose Zugang zum alten Friedhof, der Zuschnitt des neuen Kulturhauses oder zuletzt der Badelift im Batusa - Helmut Grießer brachte sich ein. „Und er hatte Durchsetzungsvermögen", sagt Höß aus eigener Erfahrung. Sich für Schwache stark zu machen, dieser Wesenszug hatte sich am Arbeitsplatz geschärft Über 30 Jahre arbeitete der Holzkirchner bei Siemens als Gas- und Wasserinstallateur. Sein soziales Engagement mündete dort in die Funktion eines stellvertretenden Behinderten-Beauftragten. Der Handwerker, bis dahin zuweilen ein Feuerkopf, wühlte sich in Gesetzestexte und belegte Schulungen. Es gelang ihm, bei Einzelschicksalen Hilfe zu organisieren. 
Diese Erfahrungen brachte er seit 2003 als Behinderten-Beauftragter Holzkirchens ein. „Wir hatten noch viel miteinander vor", sagt Höß. 

In einer Reha-Klinik, im Nachgang einer Knie-Operation, schlief der Holzkirchner vor wenigen Tagen ein und wachte nicht mehr auf. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter. avh 
Wer kondolieren möchte, kann dazu auch unser Internet-Portal www.trauer.de nutzen.
TZ / 09.12 2009

JETZT RED I

Geldhauser trifft Brunner
Behindertenbeauftragte redet mit Agrarminister Tacheles


Irschenberg — Für Helga Geldhauser hat sich der Besuch bei „Jetzt red i" gelohnt, obwohl ihr Beitrag nicht in der Sendung ausgestrahlt wurde. Im Studio des Bayerischen Rundfunks in Unterföhring hat Irschenbergs Behindertenbeauftragte nämlich Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) getroffen und ihm dort einfach direkt ins Gesicht gesagt, was sie will: Öffentliche Zuschüsse bei einer Dorferneuerung sollen nur dann fließen, wenn die Vorhaben behindertengerecht gestaltet werden. Geldhauser legt ihrer Forderung den Artikel 48, „Barrierefreies Bauen", der Bayerische Bauordnung zugrunde: ,,Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen in den dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teilen von Menschen mit Behinderung, alten Menschen und Personen mit Kleinkindern barrierefrei erreicht und ohne fremde Hilfe in der alle Forderung nach behindertengerechter Dorferneuerung gemein üblichen Weise zweckentsprechend genutzt werden können", heißt es dort. „Natürlich sieht ein Kopfsteinpflaster schick aus, aber fragen sie mal jemanden, der im Rollstuhl sitzt, wie es ist, darüber zu poltern", sagt Geldhauser. „Wir brauchen doch keine moderne Folter für einen Behinderten, nur weil ein mittelalterlicher Belag gewünscht wird." Das habe sie auch Helmut Brunner erklärt und der hat ihr prompt Unterstützung zugesichert. Und tatsächlich: Keine Woche später hat sich mit Leonhard Rill ein Mitarbeiter des Amtes für ländliche Entwicklung bei Geldhauser gemeldet und ihre Vorschläge notiert. „Es gibt also doch noch Politiker, die nicht alles verschleppen. Großes Kompliment", freut sich Geldhauser. Konkret die Richtlinien ändern könne er zwar nicht, erklärt Rill, aber er werde versuchen, „die Kollegen für die Belange der Behinderten zu sensibilisieren." Bayernweit soll dies geschehen — womit Helga Geldhausers Beitrag dann doch noch ein großes Publikum erreicht. bk
TZ  /  17.11.2009

Silber mal anders

Handbiker Elmar Sternath erhält das Österreichische Ehrenzeichen

Silber für Elmar Sternath  BMW-Welt

Bild: Gemeinsame Freude über die Auszeichnung: der Handbiker Elmar Sternath (v.m.) im Kreise der Gratulanten. FOTO: KN

München/Otterfing — Er wurde Fünfter bei den Paralympics in Peking, er ist Weltmeister, Vizeweltmeister und Doppel-Europameister, aber vor allem ist Elmar Sternath ein Vorbild und ein Kämpfer. Die österreichische Generalkonsulin, Ingrid Pech, hat den gebürtigen Steyrer jetzt für seine Verdienste um die Republik mit dem Silbernen Ehrenzeichen gewürdigt. Der Otterfinger Handbiker nahm die Auszeichnung in der BMW-Welt in München entgegen.

Zu der Feier waren auf Wunsch des 42-Jährigen auch Vertreter seines Vereins, des RSLC Holzkirchen, gekommen. Georg Smolka, der Erbauer und Wartungstechniker seiner Bikes, Tobias Fiedler und Martin Huber. Ebenfalls mit dabei: Anton Grafwallner, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach, 

in der Freizeit schlägt der Sportler auch mal andere Töne an

der Sternaths Verdienste auch aus Sicht des Landkreises würdigte.
Zudem weilten Sternaths Eltern, Rupert und Siglinde, in München, die sich mit ihrem Sohn zusammen über die Auszeichnung freuten. Eingeladen war auch der Leiter des Unterhachinger Chores, in dem der 42-Jährige singt und Kraft tankt für die anstrengenden Wettkämpfe.
Und zu denen soll sich im nächsten Jahr ein weiterer gesellen, Behindertenbeauftragter Grafwallner: „Wir planen im nächsten Jahr ein Handbike-Rennen zum Auftakt des Tegernsee-Laufs."
Elmar Sternath hat schon zugesagt, Grafwallner wartet nun auf weitere Anmeldungen. ska

Interessenten
melden sich bei Anton Grafwallner in Gmund. Weitere Infos über Elmar Sternath gibt es im Internet auf www.handbike-power-endu rance.de.     
TZ  /  13.11.2009

Dem Phänomen „Natur' auf der Spur

Anton Grafwallner erhält Auszeichnung für seine phänologischen Beobachtungen

Wetterdienstplakette für Anton GrafwallnerFOTO: Wetterdienstplakette für Anton Grafwallner (vorne). Thomas Schuhmacher (1.), Anette Grafwallner und Georg von Preysing sind bei der Verleihung dabei. FOTO: LEDER

Gmund — Seit 25 Jahren streift Anton Grafwallner durch die Natur zwischen Dürnbach und Festenbach, beobachtet Wachstum und Veränderungen an Pflanzen, notiert die Ergebnisse und übermittelt diese an den Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan. Für dieses ehrenamtliche Engagement als so genannter phänologischer Beobachter wurde der 61-jährige Festenbacher jetzt mit der Wetterdienstplakette ausgezeichnet.
„Die Beobachtungen sind für Gutachten, Vorhersagen und Pollenwarndienste extrem wichtig", betonte Thomas Schuhmacher.    Agrarmeteorologischer Berater des Deutschen Wetterdienstes bei der Verleihung im Gmunder Rathaus. Die Ehrung sei auch ein Signal, um dieses „stille Ehrenamt öffentlich zu würdigen".
Grafwallner macht's gerne: „Die Beobachtungen haben mich auch weitergebildet." Am meisten hätte ihn das „Kunstwerk Esche" fasziniert, gestand Grafwaller. Seine Frau Anette hat Teil daran: Sie begleitet ihren Mann, der wegen einer Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen ist, bei seinen phänologischen Streifzügen. gr
TZ  / 20.10.2009

DER MENSCH DES TAGES
Helfer für Behinderte


Anton Grafwallner FOTO: Anton Grafwallner aus Gmund (Plettenberg)

Anton Grafwallner ist überzeugt: Nicht nur gesunde Menschen wie Erzbischof Reinhard Marx sollen die Möglichkeit haben, mit der Mutter Gottes zu sprechen, sondern auch Gläubige mit Behinderung. Daher kämpft der 61jährige Behindertenbeauftragte im Kreis Miesbach für einen Aufzug zur Wallfahrtskirche in Birkenstein.
Grafwallner erkrankte selbst vor 30 Jahren an Multipler Sklerose. Sein Schicksal und das stetige Voranschreiten seiner Krankheit ertragt er mit einem gehörigen Maß an Selbstironie: „Ich hab das Behindertsein quasi von der Pike auf gelernt", meint er, „das begann mit schwankendem Gang, ging weiter mit dem Hlack'l-Stecka und endete schließlich im Rollstuhl." Weil Anton Grafwallner auf diesen nun seit fünf Jahren angewiesen ist, zudem nur noch mit der rechten Hand arbeiten kann, weiß er genau, wie schwer es Behinderte im öffentlichen es im öffentlichen Leben haben.  
Der gelernte Verkehrs- Ingenieur, der bis zu seinem 50. Lebensjahr mit Verkehrssteuerung und Ampeln zu tun hatte, steuert nun die Bedürfnisse für die Behinderten im Landkreis. In einer Selbsthilfegruppe für MS Kranke fing alles an, „dann erkannte ich, dass unser Landkreis ein weißer Fleck auf der Landkarte für Behinderte war." Unermüdlich und couragiert nahm er den Kampf auf, ficht sich, wie er selbst sagt, "eher mit dem Florett wie mit dem Holzhammer' durch sämtliche Ämter und Behörden. Inzwischen hat er bewirkt, dass alle 17 Gemeinden im Landkreis über einen eigenen Behinderten-Beauftragten verfügen.
Anton Grafwallner hat noch viel vor und seine Ziele bis zum Jahr 2014 in ein Konzept gepackt mit dem Titel „Helfen, handeln und zuhören". Dabei will er Behinderten, alten und mobilitätseingeschränkten Menschen
nicht nur im Stillen, etwa bei Schwierigkeiten mit Krankenkassen oder Behörden helfen. Barrierefreier Tourismus, barrierefreies Bauen, Selbsthilfekontaktstellen, die Förderung des Behindertensports und Kamingespräche stehen auf seiner Agenda. „Bei den barrierefreien Zugängen etwa zu Kirchen, zu Bus und Bahn kommen wir ganz gut voran". meint Grafwallner, der sich auch als Gemeinderat in der Fraktion der Freien Wähler für das Wohl im Ort einsetzt.
Die Verleihung, der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist für ihn Anerkennung und Ansporn weiterzumachen, sind vielleicht auch den Aufzug zur Wallfahrtskirche Birkenstein zu realisieren. GERT REICHL 
TZ  / 29.09.2009

ÄRGER MIT KRANKENKASSE

Pflege-Kosten trüben Urlaubsfreude
Familie Fottner aus Schliersee versucht vergeblich, finanzielle Unterstützung zu bekommen


Familie Fottner FOTO: Trotzdem lächeln: Susanne Fottner und ihr Mann Erwin,
der an Multipler Sklerose erkrankt ist. FOTO: PLETTENBERG

VON KATHARINA BLUM
Schliersee - Bester Service. Gutes Gefühl. Das verspricht die Deutsche Angestellten- Krankenkasse (DAK) ihren Kunden. Susanne Fottner hat aber kein gutes Gefühl, und bester Service sieht für die Schlierseerin auch anders aus. Ihr Mann Erwin hat seit 15 Jahren Multiple Sklerose, eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Als sie jetzt in den Urlaub gefahren ist, sollte ihr Mann in dieser Zeit im Rahmen einer Kurzzeitpflege betreut werden. In der Kurzzeitpflege wird ein pflegebedürftiger Mensch für einen begrenzten Zeitraum stationär in einer Einrichtung aufgenommen, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist, weil etwa die Haupt-Pflegeperson wegen Krankheit oder Urlaub „ausfällt". Familie Fottner hat sich für den Aufenthalt in einer Einrichtung in Kiefersfelden entschieden, die sich auf Patienten mit Multipler Sklerose spezialisiert hat. Dafür müsste sie einen Selbstkostenanteil von 35 Euro am Tag bezahlen.
Mit der Frage, ob es die Möglichkeit gäbe, sich einen Teil dieses Betrages zurückerstatten zu lassen, hat sich Susanne Fottner an ihre Krankenkassse gewandt. „Wenn ich ein paar Tage wegfahren möchte, dann summiert sich das schnell auf einen Tausender allein für die Betreuung, denn in den 35 Euro ist ja nichts enthalten, kein Taschengeld oder Ähnliches. Wie soll sich da ein normaler Bürger noch einen Urlaub leisten können?", fragt Susanne Fottner. Als Antwort hörte sie von dem Mitarbeiter der Krankenkasse Aussagen wie „nicht zuständig", „kann nicht weiterhelfen" oder „Da muss Ihnen jemand anders Auskunft geben", erzählt sie. „So richtig wütend" wurde sie aber erst, als man zu ihr sagte: „Seien Sie doch dankbar, dass Ihr sozialer Status es Ihnen überhaupt erlaubt, in den Urlaub zu fahren."
Eine günstigere Lösung soll der Mitarbeiter auch noch parat gehabt haben. Nur zehn Euro würde sie bezahlen müssen, wenn Erwin Fottner die Zeit während des Urlaubs seiner Frau im Krankenhaus verbringen würde. „Jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass das Krankenhaus über Weihnachten so voll ist, weil die Angehörigen offenbar lieber in den Skiurlaub fahren", sagt Susanne Fottner, die selbst im Krankenhaus Agatharied arbeitet.
Die Schlierseerin will sich aber nicht beklagen, sondern aufmerksam machen, denn „sicherlich sind wir nicht die einzige Familie, bei der der Urlaub an den Kosten für die Pflege scheitern könnte. Und jeder hat doch ein Recht auf ein wenig Erholung." Selbst bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft konnte man ihr nicht weiterhelfen. „Für alles gibt es in diesem Land etwas, aber in diesem Fall offenbar nicht. Das ist traurig."
Der DAK-Mitarbeiter wollte den Vorfall nicht kommentieren. Die Pressestelle teilte mit, dass die Krankenkasse keinen Handlungsspielraum habe, was den Selbstkostenanteil betrifft. „Das ist eine gesetzliche Regelung. Die Kasse übernimmt die Pflegekosten, aber nicht etwa die für die Verpflegung. Da haben wir auch überhaupt keine Chance, daran zu rütteln. Zu Hause muss die zu pflegende Person schließlich auch bekocht werden", so Pressesprecher Rüdiger Scharf. Zum anderen sagt er, dass der Mitarbeiter inzwischen eingesehen habe, dass er sich im Ton vergriffen hätte. Er wolle noch einmal mit der Familie sprechen. 

JUBILÄUM
Füreinander da sein: MS-Gruppe feiert Geburtstag 


MS-GruppeFOTO: Strahlende Gesichter: Christian Wrba (m.), Geschäftsführer der DMSG-Landesverband Bayern, ehrte Annelies Schneider (v.l.), Christine Seifert-Lechner, Traudl Luger, Rosmarie Mark, Waltraud Jeensch, Betty und Erwin Muckenhirn sowie Anni Kreidl für ihr Engagement. FOTO: LEDER
Wilparting - Annelies Schneider ist rundum zufrieden: „Das war eine wunderschöne Feier, ein toller Nachmittag", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Multiple Sklerose (MS)-Gruppe Kreis Miesbach und Tegernseer Tal, die jetzt im Gasthof Moar in Wilparting ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Es war ein nettes Beisammensein mit Musik, Kaffee und Kuchen, wobei natürlich auch genügend Zeit für einen gemütlichen Ratsch blieb.
Traudl Luger, Elfriede Fechtl, Gottfried Baminer, Max Kreidl und Otti Kager hatten vor 20 Jahren die Gruppe gegründet, als 100. in Bayern. Inzwischen zählt sie 35 Mitglieder, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch treffen. Und so soll es auch in Zukunft sein: „Wir wollen weiterhin füreinander da sein und uns gegenseitig helfen", sagt Schneider. bk
 

Mit Behinderung seine Träume verwirklichen
durch Wings for handicapped e.V. 


Bootsfahrt mit 300PSEinen sonnigen Tag lang pflügte Rüdiger Leonhardt mit einer 300 PS starken "Hoppetosse" durch den Tegernsee und sorgte so für viele strahlende Kinderaugen. Rund 140 Mädchen und Buben mit Behinderungen, sowie schwerkranke Kinder, hatten sich beim Behindertenbeauftragten Anton Grafwallner angemeldet. 
Unterstützt durch zahlreiche Helfer, der Wasserwacht Gmund und Rottach-Egern und Manfred Mühlthaler, wurde den Kindern ein wunderbarer Tag auf dem Gelände des Yachtclubs Bad Wiessee geschenkt. Zahlreiche Sponsoren sorgten für Getränke und Brotzeiten.

Jörg Leonhardt, selbst seit seinem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt, weiß genau was bei solchen Veranstaltungen wichtig ist. Vor neun Jahren gründete er den Verein "Wings for handikapped" und zeigte damit, dass man auch mit einer Behinderung Träume verwirklichen kann.
Unter www.w4h.de oder www.behindertenkompass.de findet man mehr Infos und eine Bildergalerie. Die "Hoppetosse" hat dazu beigetragen, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken, zudem hatten auch ihre Betreuer sehr viel Spaß. Für alle Beteiligten war es ein unvergesslicher Tag. 
Merkur / Juli 2009

HALLENBAD BATUSA

Barrierefrei vom Parkplatz direkt ins Wasser

Hallenbad Batusa Sanft ins Nass: Über den Wasserlift freuen sich (v. I.) Anton Grafwallner (Behindertenbeauftragter Landkreis), Albert Götz (Gemeindewerke), Helmut Grießer (Behindertenbeauftragter Holzkirchen), Bürgermeister Josef Höß und „Probant" Albert Mair aus Otterfing. Foto Lederer
Holzkirchen — Barrierefrei, das hört sich gut an. „Aber Rollstuhlfahrer wissen, dass oft mehr versprochen wird als dann tatsächlich vor Ort möglich ist", weiß Anton Grafwaliner, der Behinderten-Beauftragte des Landkreises. Deswegen kam er persönlich, um sich bei der „Indienststellung" des neuen Wasserlifts im Holzkirchner Hallenbad Batusa von der Wirksamkeit zu überzeugen. „Hier passt's jetzt wirklich", lautete sein Urteil.
Bisher schon gelangten Rollstuhlfahrer über eine Rampe und einen separaten Eingang in den speziellen Umkleidebereich. Auch eine behindertengerechte Dusche und eine Toilette gab es schon im Batusa. Nur die Einstiegshilfe ins Becken für Gehbehinderte fehlte. Zäh hatte Holzkirchens Behinderten- Beauftragter Helmut Grießer darum gekämpft. „Zwei Jahre hat's gedauert", räumte Gemeindewerke-Chef Albert Götz ein, „letztlich war aber klar: Dieser Lift muss sein." Bürgermeister Josef Höß würdigte die „Hartnäckigkeit von Herrn Grießer".
11 800 Euro kostete das Gerät mit Einbau. Der Lift  wird bei Bedarf schnell installiert, die „Passagiere" können ihn sogar selbst bedienen. Ein 24-Volt-Akku sorgt für Energie. Laut Schwimmmeister Hannes Kiesewetter ist geplant, auch an den Außenbecken eine Bodenanker-Hülse für den Lift anzubringen.
Vom Parkplatz bis ins Wasser haben Menschen mit Behinderung nun im Holzkirchner Hallenbad freie Fahrt. Das Batusa ist laut Grafwallner nach Bad Wiessee das zweite komplett barrierefreie Bad im Landkreis: „Schliersee könnte bald das nächste sein." avh
TZ /  04.07.2009

Lesende Hände


Anni Mitterer

Anni Mitterer (m.) ertastet mit leichter Hand den Namen von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, auf dem Schild an dessen Büste. Sie steht in einem Pavillon am Duft und Tastgarten in Bad Wiessee. „Es ist die einzige Büste von Braille in ganz Deutschland", sagt Brigitte Lindmeier, Leiterin der Bezirksgruppe Oberbayern des Blindenbunds.
Auch deshalb hatte die Gruppe Wiessee als Ziel ihres Ausflugs gewählt. Federführend war ein Stammtisch, dessen Sprecherin Mitterer ist. 44 Sehbehinderte reisten mit dem Bus an. Bürgermeister Peter Höß (I.) begrüßte sie herzlich. Auch Fritz Gerlmaier aus Rosenheim, der den Bau des Tastgartens initiiert hatte, war mit dabei. Finanziert wurde er aus der Aktion „Leser helfen Lesern". Den Garten konnten die Ausflügler allerdings nicht genießen: Er stand wegen des starken Regens unter Wasser. FOTO. LEDER
TZ /  26.05.2009

Barrierefrei zum Gottesdienst

NEUE RAMPE 

Kirche Maria Himmelfahrt mit Rampe Bild: Über die neue Errungenschaft freuen sich (v.l.) Horst Möhwald, Pfarrer Wieland Georg Steinmetz, Bürgermeister Peter Höß, Herbert Stadler und Anton Grafwallner. FOTO: HEIN

Bad Wiessee - Komfortabel können Rollstuhlfahrer jetzt über eine sanft geneigte Rampe in die Wiesseer Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gelangen. Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises, probierte sie bei der offiziellen Einweihung gleich aus. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt einen guten Zugang für Rollstuhlfahrer haben", betonte Horst Möhwald, Behindertenbeauftragter der Gemeinde Bad Wiessee. Bei der Einweihung mit dabei waren auch Pfarrer Wieland Georg Steinmetz, Bürgermeister Peter Höß und Kirchenpfleger Herbert Stadler.
Eine Rampe hatte es auch früher schön gegeben. Die war allerdings sehr steil und verschwand bei der Renovierung der Pfarrkirche vor zwei Jahren. Jetzt ließ das Ordinariat mit hohem Aufwand eine Metallkonstruktion mit flacher Neigung errichten. Kosten: etwa 25 000 Euro. Das Erzbischöfliche Baureferat übernimmt 50 Prozent der Finanzierung, der Rest muss von der Kirchenstiftung Bad Wiessee aufgebracht werden. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich ans Pfarrbüro, Tel. 0 80 22 / 96 83 60, wenden. im 
Miesbacher Merkur /  20.05.2009

Lara mitten im Leben

Mädchen mit Down-Syndrom besucht Regel-Kindergarten in Miesbach

Bild: Glücklich: Marlies Brunner-Karg mit ihrer Tochter Lara, die sich im Montessori-Kindergarten wohl fühlt. FOTO LEDER

Marlies Brunner-Karg mit ihrer Tochter LaraVON CHRISTINE MERK-HOLZAPFEL
Miesbach - Lara liebt das Karussell - weil sie damit im Kreis fahren, aber noch viel mehr, weil sie sich an dem breiten Sitzkreis hochziehen kann und einen festen Halt für ihre ersten Schritte findet. Lara ist drei Jahre alt. Sie hat das Down-Syndrom und ist deswegen in einigen Entwicklungen den Gleichaltrigen hinterher. Seit einem halben Jahr besucht das blonde Mädchen zweimal in der Woche die Spielgruppe im städtischen Montessori Kindergarten in Miesbach - und macht seitdem enorme Fortschritte.
Laras Mutter Marlies Brunner-Karg ist überglücklich, dass sie für ihre kleine Tochter einen Platz in einem Regel-Kindergarten gefunden hat, und noch dazu an ihrem Wohnort. „Sie soll doch Kinder zum Spielen in der Nachbarschaft haben, und sie soll die Realität kennen lernen, lernen, sich auch mal zur Wehr zu setzen."
Brunner-Karg wollte ihre Tochter deshalb nicht in einen Integrations-Kindergarten außerhalb Miesbachs schicken, und fand beim Team des Montessori Kindergartens Verständnis für diesen Wunsch. Ganz selbstverständlich nahmen sie Lara in ihre Spielgruppe auf. Judith Seiler, Leiterin des Kindergartens, hatte von Anfang an keine Zweifel, dass ein Kind
wie Lara gut in die Gruppe passt - und auch die anderen Kinder von dem Kontakt profitieren. „Wenn die Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes funktioniert, dann stellt dem doch nichts im Weg. Für die Kleine und ihre alleinerziehende Mama der Idealfall, denn sie wohnen keine
50 Meter vom Kindergarten entfernt.
Lara hat nun regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen, der bisher durch die vielen zeitintensiven Therapien gelitten hat. Anfangs hat sich die Dreijährige in der Spielgruppe deshalb alles andere als wohl gefühlt. „Es war ihr einfach alles zuviel", erinnert sich Brunner-Karg an die ersten Vormittage, die eher frustrierend waren. „Der Lärmpegel, die herumlaufenden Kinder, die vielen neuen Reize." Lara hatte keinen Spaß, sondern einfach nur Angst. Sie weinte und schrie, suchte Schutz bei der Mama, klammerte sich fest und ließ sie nicht gehen.
Das ging über einige Monate so. Doch dann kamen die ersten Erfolge: Schritt für Schritt wurde Lara sicherer, mutiger, suchte Kontakt zu den anderen Kindern. Seit ein paar Wochen bleibt sie problemlos allein in der Gruppe. Wenn sie heute irgendwo etwas Interessantes entdeckt hat, dreht sie sich gar nicht mehr nach der Mama um, sondern krabbelt in einem Affenzahn den anderen Kindern hinterher.
Laras Handicaps; dass sie noch nicht laufen und nicht allein essen kann, akzeptieren ihre gleichaltrigen Spielkameraden mit, kindlicher Unbefangenheit. Den etwas älteren Kindern erklärt Brunner-Karg das „Anderssein" Laras in eigenen Worten: Der liebe Gott baue alle Lebewesen aus vielen Teilen nach einem Schlüssel zusammen.
Miesbacher Merkur / 14.01.2009      HANDICAP - INTEGRATIV 

Hochleistungssport im Sitzen

Rollstuhlbasketballer beeindrucken bei Einlagespiel in Hausharn

RollstuhlbasketballerBild: Unter dem Korb angelangt: Salzburg kurz vor dem Punkterfolg. FOTO:LEDER

Hausharn — Der Rollstuhlfahrer Klaus Edenhofer aus Weyam hat eine Lebensaufgabe gefunden. „Wir möchten den Leuten zeigen, was ein Behindertenspiel ist und was ein Rollstuhlfahrer kann", erklärt er. „Das Problem ist die Werbung. Die meisten wissen nicht, dass das Hochleistung, ist, was wir da betreiben." Daher war es für Edenhofer selbstverständlich, sich der Sparte Handicap-Integrativ der SG Hausham anzuschließen und diese zu unterstützen. Wie zum Beispiel jetzt: Beim Sparkassen-Cup der Fußballer (wir berichteten) bildete ein Rollstuhl-Basketballspiel die Einlage nach der Gruppenphase.
Über die Unterstützung des Weyarners, der inzwischen für Salzburg spielt, freut sich auch SG-Spartenleiter Kurt Flierler: „Wir wollen eine Plattform für den gesamten Behindertensport schaffen, vor allem im Rollstuhlsport, 
und da ist es super, dass uns Klaus Edenhofer unterstützt." Um den Mitgliederkreis der Sparte, die im Moment 45 umfasst, noch zu erweitern, wollen die SGler andere Sportveranstaltungen nutzen, um mit Schaukämpfen auf sich aufmerksam zu machen. „Wir wollen ein größeres Bewusstsein beiden Leuten für den Behindertensport schaffen und den integrativen Gedanken fördern", erklärt Flierler.
Edenhofers RSV Salzburg traf auf den SB Rosenheim. Die Spannung im Vorfeld war riesig. Stille. Doch schon nach wenigen Spielminuten kippte die Stimmung, und das Publikum feuerte die beiden Mannschaften begeistert an. Tempogegenstöße, Dreipunktewürfe, Korbleger — alles wie in einem echten Basketballspiel eben. Da kam es auch schon mal vor, dass die Rollstühle aneinanderkrachten, was zu großem Raunen im Publikum führte. Dass sich am Ende die Rosenheimer, bei denen der Haushamer Thomas Rasshofer spielt, knapp gegen die Salzburger durchsetzten, war nebensächlich. Viel wichtiger: Das Ziel, bei den Zuschauern ein größeres Bewusstsein für den Behindertensport zu schaffen, haben die Haushamer erreicht.  meh
Miesbacher Wochenzeitung / 24.10.2008

Auszeichnung für Grafwallner


Auszeichnung für GrafwallnerFoto: Anton Grafwallner erhielt lang anhaltenden Beifall für sein großartiges Engagement. Foto: Nursen Özlükurt

Landkreis Während der Kreistagssitzung am vergangenen Mittwoch erhielt der Behindertenbeauftragte im Landkreis Miesbach, Anton Grafwallner für seinen Einsatz für die Interessen der Behinderten die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Landrat Jakob Kreidi verliehen. In seiner Laudatio sprach Kreidl davon, das es ihm eine besonderen Freude sei, „diese Medaille als eine der höchsten Auszeichnungen hierzulande" an den agilen Gmunder übergeben zu können. Mit beispielhaften initiativen habe Grafwallner, selbst aufgrund von Multipler Sklerose auf den Rollstuhl angewiesen, im Landkreis in den letzten acht Jahren gewirkt. So gebe es inzwischen in allen 17 Gemeinden Behindertenbeauftragte. Er habe sich für eine behindertengerechte Infrastruktur stark gemacht, besonders beim Krankenhaus Agatharied oder mit öffentlichen Toilettenzugängen. Kreidl verwies auf den überall geschätzten Rat und seine stets zuverlässigen Auskünfte. Der Behinderten-Kompass im Internet sei genauso sein Verdienst wie die verstärkte Kommunikation zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten, die der humorvolle frühere Ingenieur als wichtiges Ziel sieht .
Der Landkreis Miesbach habe durch ihn und seine wertvollen Dienste für die Allgemeinheit einen besonderen sozialen Anstrich bekommen. Mit lang anhaltenden Beifall der Kreistagsmitglieder überreichte Landrat Jakob Kreidl dem Geehrten die Medaille und die vom Bundespräsidenten Horst Köhler unterschriebene Urkunde. ger

Bis 2014 lautet das Konzept der Behindertenbeauftragten des Landkreises Miesbach für ihren Landkreis – helfen, handeln und zuhören.


Unser Ziel ist es, für Menschen mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung, für alte und mobilitätseingeschränkte Menschen, den Landkreis Miesbach barrierefreier und lebenswerter zu gestalten.

Nachfolgende Punkte geben einen Überblick.

1. Stille Hilfe für alle Menschen im Landkreis.
z.B. Unterstützung beim Antrag auf Schwerbehinderung, Pflegestufe, Fallmangement usw.
Wir bieten keine Rechtsberatung, aber die Suche nach Lösungsmöglichkeiten bei Schwierigkeiten mit Behörden oder Krankenkassen, sowie Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zum Wohle der Menschen mit Behinderungen an. Alle diese Hilfen sind sehr zeitintensiv.

2. Barrierefreier Tourismus
Relaunch des Behindertenkompasses im Herbst 2008, nach Rücksprache mit ATS und TTT, DEHOGA, dem Tourismusverband bayerisches Oberland und Tourismus Bayern.
Zur Zeit ist ein Videoclip (Dauer ca. 5 Minuten) über den barrierefreien Tourismus im Landkreis Miesbach in Bearbeitung.

3. Barrierefreies Bauen und Wohnen im Alter
Effizientere Zusammenarbeit mit dem Kreisbauamt. Jedem genehmigten Bauplan soll ein Flyer über barrierefreies Bauen beigelegt werden, damit die Bauherren eingehend informiert werden. Eine Ausstellung über barrierefreies Bauen ist geplant.

4. Abschließung von Zielvereinbarungen über die Gestaltung von barrierefreien Bushaltestellen mit dem Straßenbauamt Rosenheim, den Gemeinden, dem Landratsamt und den Behindertenbeauftragten.

5. Einführung einer Selbsthilfekontaktstelle im Landkreis, wobei die vorhandene Infrastruktur und Synergieeffekte ausgenützt werden sollen. Zahlreiche Bürger wollen sich zu Selbsthilfegruppen, je nach Erkrankung, organisieren.

6. Kamingespräche vorerst in Gmund und in Holzkirchen.
Ziel ist es, Arbeitslose und Hartz4-Empfänger mit Behinderung, in Arbeit zu bringen. Angestrebt ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, dem Integrationsfachdienst Rosenheim und dem Amt für Soziales am Landratsamt Miesbach, sowie den Behindertenbeauftragten, Bürgermeistern und Firmen.

7. Barrierefreies Landratsamt und ein barrierefreier Internetauftritt des Landratsamtes.

8. Förderung des Behindertensports durch Erweiterung der angebotenen Sportarten.

9. Barrierefreie Zugänge, z.B. zum Strandbad Schliersee, in Kirchen und andere Kulturstätten.
Barrierefreier ÖPNV, BOB, RVO, AST.

10. Behindertenbeauftragte arbeiten weisungsungebunden und ehrenamtlich. Sie setzen sich für die Umsetzung der Schlüsselbegriffe Teilhabe, Selbstbestimmung und Gleichstellung für Menschen mit Behinderungen ein.

Anton Grafwallner Behindertenbeauftragter des Landkreises Miesbach und die Behindertenbeauftragten der Gemeinden
Münchner Merkur / 07.11.2008

Taten statt schöner Worte !

Kritik an Behindertenpolitik

Die Kritik der scheidenden Behindertenbeauftragten Anita Knochner an der bayerischen Regierung ist vernichtend. Vor allem, wenn man das „S", das Soziale in der CSU ernst nehmen möchte. Denn Behindertenpolitik spielt im Freistaat offenbar eine Nebenrolle.
Wieder einmal zeigt sich, dass Politiker vor allem für die Anliegen ein offenes Ohr haben, die sie öffentlichkeitswirksam verkaufen können. Bürgermeister oder Minister posieren dann gerne bei der Eröffnung eines behindertengerechten Gebäudes. Jede Verbesserung, die das Leben für Menschen mit Behinderungen leichter macht, ist sicherlich zu begrüßen. Doch vor tiefgreifenden Veränderungen hat sich die CSU bisher gerne gedrückt. Beispiel: Das Gesetz schreibt beim Neubau eines Kinos einen behindertengerechten Zugang vor. Hält sich der Bauherr aber nicht daran, kann er nicht bestraft werden.
Es fehlt jemand, der das Zepter in die Hand nimmt und die Anregungen der Behindertenbeauftragten, die hervorragende Arbeit leisten, in Gesetze gießt. Ministerpräsident Horst Seehofer, Ex-Chef des VdK Bayern, drängt sich für diese Rolle förmlich auf. Zwei Millionen Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und Freunde wollen endlich Taten sehen, die ihnen den Alltag erleichtern.

Carina Lechner
Sie erreichen die Autorin unter Carina.Lechner@merkur-online.de
Münchner Merkur / 07.11.2008

BEHINDERTENBEAUFTRAGTE GIBT AUF

Enttäuschung auf der ganzen Linie

Bild: Anita Knochner mit Erwin und Helma Huber im behindertengerecht sanierten Schloss Nymphenburg (Juni 2008).RK

Die bayerische Behindertenbeauftragte Anita Knochner wirft nach vier Jahren enttäuscht das Handtuch: So wie das Amt konzipiert ist, habe sie nichts bewirken können, sagt die 39-Jährige resigniert. VON CARINA LECHNER

München - Es heißt, Anita Knochner hat ihren Abschied im Stillen genommen, ihren Schreibtisch bereits geräumt. Seit 1. November ist das Büro der Behindertenbeauftragten im Sozialministerium leer. Doch ihren Abschied hat die 39-Jährige aus Großkarolinenfeld (Kreis Rosenheim) schon fünf Wochen zuvor zelebriert, ebenfalls im Stillen: am Samstag vor der Landtagswahl. An diesem Tag hat sie den Brief zur Post gebracht, in dem steht, dass sie für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Dieser Schritt, so sagt sie, ist die einzige Möglichkeit, auf die Missstände, mit denen sie zu kämpfen hatte, aufmerksam zu machen. Um das Thema vom Wahlkampf fernzuhalten, habe sie mit der Bekanntgabe ihrer Entscheidung bis Ende September gewartet.

„Ich hatte manchmal den Eindruck, das Amt gibt es nur, weil es irgendein Gesetz vorschreibt", kritisiert Anita Knochner. Sie habe sich als „Feigenblatt der Regierung" gefühlt. Besonders tief sitzt der Frust über das Behindertengleichstellungsgesetz. Im Juli 2008 trat die Gesetzesänderung in Kraft, ein halbes Jahr vor den Beratungen im zuständigen Sozialausschuss hatte Knochner alle 103 Behindertenbeauftragten aus den bayerischen Bezirken, Landkreisen und kreisfreien Städten zu einer Tagung versammelt. Knochner: „Wir haben überlegt, was ein Behindertenbeauftragter braucht, um die Interessen der Menschen vertreten zu können." Doch der Sozialausschuss habe von den Vorschlägen nichts übernommen. Eine Forderung sei gewesen, Sanktionsmöglichkeiten gesetzlich zu verankern, falls öffentlich zugängliche Gebäude, etwa ein Kino, nicht barrierefrei gebaut werden. „Das hätte nicht einmal Geld gekostet", wundert sich die 39-Jährige.
Knochner stellte Verantwortliche zur Rede, unter anderem den stellvertretenden Ausschussvorsitzenden Joachim Unterländer (CSU).

Eine für sie nachvollziehbare Antwort habe sie nicht bekommen.
Da ihr Amt dem Sozialministerium zugeordnet ist, sei ressortübergreifendes Arbeiten schwierig gewesen. „Das ist das falsche Signal an Politik und Gesellschaft", sagt Knochner. „Behindertenpolitik ist nicht nur Sozialpolitik." Um möglichst unabhängig zu sein, gehöre das Amt in den Landtag. Ein entsprechender Antrag sämtlicher Behindertenbeauftragten in Bayern wurde aber abgelehnt.
Knochner hat in ihrer vierjährigen Amtszeit, in der sie und ihre Mitarbeiter 8700 Anträge bearbeitet haben, aber nicht nur schlechte Erfahrungen gemacht: „Sobald ich einem Minister konkrete Vorschläge gemacht habe, lief die Zusammenarbeit gut." Beispiel: Der behindertengerechte Umbau der bayerischen Schlösser, für die Erwin Huber damals als Finanzminister zuständig war, habe reibungslos geklappt. „Sobald ich aber Größeres bewirken wollte, bin ich gescheitert." Verschärft hätten sich ihre Probleme, als Ministerpräsident Edmund Stoiber von Günther Beckstein abgelöst wurde. „Die Beckstein-Regierung hat in der Behindertenpolitik nicht wirklich Sensibilität gezeigt."
Ulrike Mascher, neue Vorsitzende des VdK Bayern, nimmt Beckstein etwas in Schutz: „Er hatte nur ein Jahr Zeit." Grundsätzlich gibt Ma-
scher Knochner aber Recht: „Behindertenpolitik ist ein Nischenthema."
Dass Knochner nicht mehr antritt, wird von zahlreichen Politikern, darunter der frühere Landtagspräsident Alois Glück und der neue Kultusstaatssekretär Märcel Huber, bedauert. Mehrfach habe man versucht, die als engagiert und durchsetzungsfähig bekannte 39-Jährige zum Bleiben zu überreden. Das Ministerium hingegen habe sich nicht sonderlich für die Begründung ihres Verzichts interessiert, bedauert Knochner. Als ein Abgeordneter bei einer Fraktionssitzung nachhakte, lautete die Antwort: „Frau Knochner will im Dezember heiraten." Das stimmt tatsächlich: „Das ist aber sicher kein Grund."

Hätte Knochner geahnt, dass Horst Seehofer - kurze Zeit auch VdK-Chef - Ministerpräsident wird, hätte sie den Brief vor der Wahl nicht eingeworfen. Dann hätte sie mit ihm das Gespräch gesucht. Vielleicht wäre sie dann noch einmal angetreten.
SZ / 09.11.2008

Eine Beauftragte fürs Händeschütteln

Behindertenvertreterin gibt entnervt ihr Amt auf - Kritiker halten sie für zu blass

Von Dietrich MittlerMünchen - Zunächst sah alles danach aus, als würde Anita Knochner still und leise aus ihrem Amt als Behindertenbeauftragte der Staatsregierung scheiden. Dann aber, nur einen Tag nach der Messe ConSozial, bei der ihr auffällig unauffälliger Abgang die Runde machte, kam der große Knall: Knochner geht im Zorn - nach nur vier Jahren Amtszeit. Sie wirft dem früheren Ministerpräsidenten Günther Beckstein nun vor, sich nicht genug um die Behindertenarbeit gekümmert zu haben. Im Landtag löste diese Nachricht Erstaunen aus: "Wir haben Anita Knochner mehr als Sprachrohr der Staatsregierung wahrgenommen denn als jemand, der sich kritisch für die Belange der Behinderten einsetzt", sagte am Freitag die SPD-Sozialexpertin Christa Steiger.Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung gab Knochner als Grund für den Verzicht auf eine weitere Kandidatur an, CSU-Sozialpolitiker hätten eine von ihr verfasste Erklärung zum Behindertengleichstellungsgesetz unter den Tisch fallen lassen - offenbar sei diese zu kritisch. "Ich und mein Büro haben wiederholt im Sozialministerium angefragt, und es wurde immer gesagt: Noch vor den Sommerferien finde eine öffentliche Anhörung statt, auf der auch meine Stellungnahme verbreitet werde", sagte Knochner. Als sie dann im Sozialausschuss seitens der SPD kritisiert worden sei, dass sie sich zum Gesetz nicht äußere, sei sie "aus allen Wolken gefallen". Da habe sich in ihr der Eindruck erhärtet, nur eine zu sein, "die zum Händeschütteln da ist".

Etliche ihrer Kritiker glauben, sie habe sich in dieser Rolle durchaus wohl gefühlt. Während Vertreter des Diakonischen Werkes Bayern "ihr ernstes Interesse für Menschen mit Behinderung" loben, heißt es beim Landes-Caritasverband: "In ihre Gremien waren wir nicht eingebunden, wir konnten weder mitwirken noch mitgestalten." Andrea Falkowsky, die Behindertenreferentin der Caritas, kritisiert, Knochner hätte mehr für das Image der Behindertenwerkstätten tun müssen.Harte Worte kommen auch von Jürgen Rosenberger, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Behindertenbeirats der Stadt Fürstenfeldbruck: "Nachdem Frau Knochner es zugelassen hatte, dass bei uns eine Brücke zu einer Schule mit mehr als elf Grad Steigung gebaut wird, braucht sie sich bei uns nicht mehr blicken lassen." Standard für eine behindertengerechte Brücke sei eine Steigung von sechs Grad. "Wir hatten erwartet, dass sie sich hier für uns Behinderte einsetzt, aber das hat sie nicht getan." Knochner hielt gestern dagegen, die Brücke wäre dann unverhältnismäßig teurer geworden. Die frühere Sozialministerin Christa Stewens, sagte, sie schätze Knochner sehr. Letztlich sei sie wohl gegangen, um personellen Querelen in ihrem Büro ein Ende zu setzen. Stewens Amtsnachfolgerin Christine Haderthauer erklärte, wenn es sich Knochner anders überlege, könne sie sich erneut für den Posten bewerben. Zu ihren fünf Gegenkandidaten gehört dann unter anderem der vom Sozialverband VdK vorgeschlagene behinderte Autor und Schauspieler Peter Radtke.

Tegernseer Zeitung / 06.11.2008

Architekten fragen zu wenig nach

Bericht des Behindertenbeauftragten

Anton Grafwallner hat weiter ein Ziel: „Für uns ist es wichtig, die Barrieren im Kopf und auf den Straßen abzubauen." Dem Kreistag stellte der Behindertenbeauftragte des Landkreises sein Programm bis 2014 vor.
VON MATTHIAS HOLZAPFEL

Miesbach – Das Konzept der Behindertenbeauftragten im Landkreis Miesbach mit dem Titel „helfen, handeln, zuhören" trägt die Handschrift des 60-Jährigen aus Gmund. Dessen Verwirklichung kann er
maßgeblich vorantreiben: Der Kreistag hat Grafwallner, der mit knapp 30 Jahren an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist, für weitere sechs Jahre als ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten bestellt.
Der Blick von Anton Grafwallner richtete sich vor dem Kreistag nur kurz in die Vergangenheit. Er rief ein zweitägiges Seminar zu barrierefreiem Tourismus sowie Stellungnahmen zu größeren Bauprojekten in Erinnerung. Architekten aber, so bemängelte er, würden noch immer zu selten den Kontakt zu den Behindertenbeauftragten suchen, gerade bei Baumaßnahmen in der Gastronomie. „Der Klassiker ist der Spiegel in der Toilette", meinte Anton Grafwallner. „Wer zu klein ist oder im Rollstuhl sitzt, kann sich im Spiegel über dem Wachbecken nicht anschauen."
Ganz besonders ist dem Beauftragten ein Ausflug mit der Bayerischen Oberlandbahn in Erinnerung geblieben: Rund 180 Menschen mit Handicaps waren im Sommer gemeinsam nach Passau gefahren – ein gewaltiges Abenteuer.
Vor allem blickte Grafwallner in die Zukunft. Sein Konzept will er bis zum Jahr 2014 verwirklichen. Bei der Jahreszahl hat er sich am neuen Leitbild für den Kreis orientiert.
Sehr am Herzen liegt ihm der barrierefreie Fremdenverkehr. „Jeder redet davon, aber keiner tut was dafür", meinte Grafwallner. Ein Ort ist dem Gmunder da besonders wichtig: die Wallfahrts-Kapelle zu Birkenstein: „Vielleicht könnten wir dort gemeinsam etwas schaffen." Den Landrat Jakob Kreidl forderte er auf, sich für einen behindertengerechten Bus bei der Ringlinie um den Wendelstein einzusetzen. Kreidl sowie CSU-Fraktionssprecher Josef Bichler lobten den Einsatz Grafwallners. Josef Bichler: „Ich habe niemanden erlebt, der über Anton Grafwallner und seine Beratungsqualität nicht das Allerbeste gesagt hätte."

„Helfen, handeln, zuhören"


Das Ziel der Behindertenbeauftragten ist es, für Menschen mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung, für alte und mobilitätseingeschränkte Menschen den Landkreis Miesbach barrierefreier und lebenswerter zu gestalten. Die Punkte im Einzelnen:

- Stille Hilfe für alle Menschen im Landkreis Miesbach
- Barrierefreier Tourismus
- Barrierefreies Bauen und Wohnen im Alter
- Abschließen von Zweckvereinbarungen über die Gestaltung von barrierefreien Bushaltestellen
- Einführung einer Selbsthilfe-Kontaktstelle im Landkreis
- Kamingespräche, um Arbeitslose und Hzartz IV-Empfänger mit Behinderung in Arbeit zu bringen
- Barrierefreies Landratsamt und barrierefreier Internet-Auftritt

- Barrierefreie Zugänge zu Bädern, Kirchen und Kulturstätten sowie ein barrierefreier ÖPNV
- Behindertenbeauftragte arbeiten weisungsungebunden und ehrenamtlich

Miesbacher Wochenzeitung / 17.10.2008

„Wir wissen nicht, was kommt"

Oberlandwerkstätten feiern zehn Jahre Erfolg

Oberlandwerkstätten Bild: 127 Menschen, mehr als doppelt so viel wie in den Anfangsjahren, arbeiten heute in den Oberlandwerkstätten. Was die Bankenkrise für sie bedeutet ist offen.

Landkreis Die Geschichte a der Oberlandwerkstätten für Menschen mit Behinderung im Landkreis ist eine großartige Erfolgsgeschichte. Während Anfang der 90er Jahre noch 40 Menschen mit Behinderung im Untergeschoss der Anton-Weilmeier-Schule in Hausham unter sehr engen Verhältnissen arbeiteten, sind heute in den Betrieben der Oberlandwerkstätten 127 Menschen mit Behinderung tätig, sagte Geschäftsführer Martin Zeller mit Blick auf die positive Entwicklungsgeschichte der letzten zehn Jahre anlässlich der Feier zum zehnjährigen Jubiläum. Erst vor einigen Wochen konnte die Montag 4, eine neue Werkstätte mit etwa 30 Arbeitsplätzen in der Maxlrainer Straße 10 im Gewerbegebiet Nord in Miesbach eröffnet werden. Das rasante Wachstum der Oberlandwerkstätten habe verschiedene Gründe, führt Martin Zeller aus. Das Haus, das vor zehn Jahren gebaut worden ist, biete attraktive Arbeitsplätze, die Werkstätten seien in der Öffentlichkeit bekannter geworden. Entscheidend sei allerdings, dass sich die Qualität des menschlichen Miteinanders verändert habe.


Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben

„Menschen mit Behinderung werden als Partner gesehen. Es wird miteinander gesprochen. Das Selbstbewusstsein ist gewachsen." Zeller gibt dafür einige Beispiele. Bis zu 50 Menschen aus den umliegenden Betrieben und aus Miesbach kommen mittags zum Essen in die Werkstatt. Während früher Menschen mit Behinderung sich eher zurückhaltend verhielten, gehen sie jetzt offen auf andere Menschen zu, fragen wie es geht und unterhalten sich. Viele Arbeitsplätze konnten nach außen verlagert werden. 20 bis 30 Mitarbeiter der Oberlandwerkstätten arbeiteten beispielsweise bei Avery Dennison Zweckform in Oberlaindern. ,,Das ist etwas ganz Besonderes, denn unsere Mitarbeiter arbeiten in einem Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern zusammen." Wertschätzung und gegenseitige Aufmerksamkeit förderten die Leistungsbereitschaft und die Freude an der Arbeit. Menschen mit Behinderung sind im Werkstattrat tätig und können mitentscheiden. Darauf ist besonders Beate, die seit Anbeginn Mitarbeiterin der Werkstätten ist, stolz. „Wir sind durch die Abteilungen gegangen, haben uns die Probleme angehört und an die Geschäftsführung weitergegeben", sagt sie.

Trotz Erfolgsbilanz, könne er nicht sagen wie es weitergeht, merkte Zeller allerdings abschließend in seiner Rede an. Die ersten Auswirkungen der Finanzkrise hätten sich in einem Telefonat angekündigt. „Wir wissen nicht, was kommt, können aber stolz auf unsere Kultur des Miteinanders sein." Das sei die Basis für die Bewältigung aller künftigen Probleme. Gesina Stärz

Münchner Merkur / 04.07.2008

Sportliche Sonnenseite

Stiftung spendiert Behinderten einen dicken Scheck

Stiftung spendiert Behinderten, Gruppenaufnahme Bild: Einen dicken Scheck überreicht Lukii Ljubisu (h.2.v.I.) von der Dresdner Bank an Anton Grafwallner (vorne), den Behinderten-Beauftragten des Landkreises, für die Unterstützung Behinderter.
Foto: Plettenberg

Landkreis - Auf die sportliche Sonnenseite will die Auguste-Steinfelder- Stiftung Menschen mit Behinderung verhelfen. Den symbolischen Scheck in Höhe von 11 000 Euro überreichte Lukii Ljubisu von der Dresdner Bank, die die Stiftung verwaltet, kürzlich Kurt Flieder, dem Leiter der Sparte Handicap- Integrativ in der SG Hausham. Rund 30 Sportler mit unterschiedlichen Behinderungen nehmen dort inzwischen das Angebot wahr. Um noch mehr Trainer und Übungsleiter ausbilden zu können, erhält die Sparte 5000 Euro.

3000 Euro werden an Elmar SternathBild: 3000 Euro werden an Elmar Sternath überreicht.

„Wir wollen den Behinderten-Sport im Landkreis Miesbach vorwärts bringen", erklärt Anton Grafwallner. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises hatte den Kontakt zur Auguste-Steinfelder-Stiftung hergestellt. 3000 Euro gehen an das Projekt „Barrieren abbauen". Der Umbau zu barrierefreien Zugängen öffentlicher Gebäude soll damit bezuschusst werden.
Außerdem erhält Helmut Griesser, der Holzkirchner Behindertenbeauftragte, einen Zuschuss für die Fahrt nach Passau, die er kürzlich mit 180 Behinderten unternommen hat. Die restlichen 3000 Euro gehen an Elmar Sternath, der mit einem neuen Handbike aus Carbon demnächst bei den Paralympischen Spielen in Peking antreten wird
Landkreis Passau / 17.06.2008

Tapetenwechsel für einen Tag


Teilnehmer der Sonderfahrt nach Passau

Bild: Ankunft am Bahnhof: Die Teilnehmer der Sonderfahrt aus dem Landkreis Miesbach freuen sich auf das, was sie in und rund um Passau erwartet. - Foto: Jäger

Passau. 180 Behinderte und Bedürftige aus dem oberbayerischen Miesbach haben einen Ausflug nach Niederbayern genossen. Organisiert wurde er von Kreisbehindertenbeauftragten Anton Grafwallner und Helmut Grießer, Behindertenbeauftragter des Marktes Holzkirchen. Und die haben sich etwas einfallen lassen: Mit der Bayerischen Oberland-Bahn kamen die Teilnehmer - Gehörlose mit Gebärdendolmetscher. Behinderte mit Begleitpersonen, bedürftige Familien sowie Ärzte, Rettungssanitäter, Pflegekräfte, der Service-Mann eines Sanitätshauses und neun Hauptschul-Abgänger als Helfer - am Passauer Bahnhof an. Nach der Dombesichtigung ging's per Schiff weiter bis nach Jochenstein und wieder zurück. Zur schönen Aussicht gab's ein lukullisches Mittagessen dazu. „Egal in welches Gesicht man geschaut hat - alle haben gestrahlt", schwärmt Helmut Grießer noch am Tag danach. Dankbar für das Erlebte und müde vor Glück sei man abends daheim angekommen. - lx
Münchner Merkur / 28.03.2008

Wenn ein großes Stück des Ichs zum Du wird

Sozialpreis zum ersten Mal vergeben - Elisabethenverein, Anton Grafwallner und Ehepaar Nerz ausgezeichnet

Sozialpreis wird vergeben, Gruppenfoto

Bild: Gemeinsame Freude über den Sozialpreis (v.l.): Ulrich Brenner,Angela Niedermeier, Traudl Freund, Anton Grafwallner, Lisa Hauke, Monika Schröder, Michael Pelzer, EmmeramNerz, Pia Koschmieder, Rosita Jüptner und Beate Haslinger-Naß(Sozialbeirat). FOTO. PLEITENBERG

Miesbach — Miesbach — Wer sich für andere stark macht, wirkt meist im Stillen. „Aber diese Menschen gehören ins Licht", sagte der Stellvertretende Landrat Michael Pelzer. Weil das so ist, hat der Landkreis den Sozialpreis geschaffen. Die Auszeichnung ist an die Aktion „Leser helfen Lesern" gekoppelt und wird bei der Übergabe des Spendenerlöses überreicht. Heuer wurde die mit 3000 Euro dotierte Würdigung erstmals vergeben.
Die Jury, bestehend aus dem Sozialbeirat des Landkreises, hatte gleich drei Preisträger auserkoren: den Haushamer Elisabethenverein, Anton Grafwallner als Behinderten-Beauftragten des Kreises sowie das Bayrischzeller Ehepaar Irmgard und Emmeram Nerz. Zudem sprach die Jury zwei weiteren Initiativen ihre besondere Anerkennung aus: dem Weyarner Dorfladen und dem Miesbacher Orient Express.

Der Preis gelte Menschen, die „ein großes Stück des eigenen Ichs zum Du" machten, erklärte Pelzer. Emmeram Nerz gehört sicher zu ihnen. Gemeinsam mit seiner Frau pflegt er seit 40 Jahren seine schwerstbehinderte Tochter. Als einzelne Leistung wollte Nerz sein Tun aber nicht gewürdigt wissen: „Ich fühle mich als Stellvertreter für alle, die ein ähnliches Schicksal zu meistern haben." Den Alltag behinderter Menschen leichter zu machen, diesem Ziel hat sich Anton Grafwallner verschrieben. Seit acht Jahren kämpft der Rollstuhlfahrer als Behinderten-Beauftragter darum, dass Barrieren fallen — die handfesten, bestehend aus steilen Treppen, und die diffusen in den Köpfen. Ein Einzelkämpfer, der viele mitgerissen hat. Auf breiter Unterstützung fußt die Arbeit des Haushamer Elisabethenvereins, der Senioren-Nachmittage organisiert, Kranke besucht und Basare bestückt. Monika Schröder dankte gerührt. „In der Regel reicht uns das Strahlen in den Augen der anderen als Dank", erklärte sie. Doch der Preis und die Finanzspritze freite die Initiative sehr: „1000 Euro, für die wir nicht basteln, stricken, und Kuchen backen müssen — das ist schon was." im
Münchner Merkur / 28.03.2008

Den Traum leben auch wenn's teuer ist

Elmar Sternath sucht noch Sponsoren für das Handbike, das ihn in Peking auf Medaillenplätze bringen soll

Elmar SternathBild: Als Liegebiker wird der Otterfinger Elmar Sternath im Septemberbei den Paralympics in Peking an den Start gehen. FOTO:PUTTENBERG

VON DANIEL KREHL
Otterfing - Der Traum ist teuer, aber Elmar Sternath macht ihn wahr: Am 12. September geht der Otterfinger Handbiker bei den Paralympics in Peking an den Start. Dafür kämpft und trainiert er - tagtäglich. Was noch fehlt, ist das neue Handbike. Es ist alles andere als billig, aber notwendig, um bei den Paralympics überhaupt eine Medaillen- Chance zu haben. Insgesamt 20 000 Euro muss Sternath aufbringen - für das Material, Trainingslager, die ganze Vorbereitung. Der Traum ist teuer. aber Sternath verfolgt ihn hartnäckig.

Der Start in Peking ist der bisherige Höhepunkt in Sternaths Sportleben. "Das Größte", sagt er. Für den Wettkampf stellt der 40-Jährige fast alles andere in den Hintergrund. Aufstehen um 6 Uhr, dann die Arbeit als Software- Ingenieur. gegen 17 oder 18 Uhr Training, zwei bis drei Stunden. Da bleibt nicht viel vom Tag. Seit eineinhalb Jahren arbeitet Sternath zudem mit Trainer Christof Weiß von der European Bike Academy zusammen, ist einmal pro Woche am Chiemsee. „Er erstellt meine Trainingspläne und schaut, ob ich alles richtig mache. Derzeit läuft alles nach Plan, die Form entwickelt sich gut." Wenn er am 31. August nach Peking abfliegt, will er topfit sein. Der Unfall wird dann über 15 Jahre her sein.

Das neue Leben beginnt für den Otterfinger am 15. Mai 1993. Auf seinem Rennrad ist er in Rottach-Egern unterwegs. Ein Fußgänger missachtet die rote Ampel, Sternath touchiert ihn, stürzt und prallt
mit dem Rücken an ein Auto. Der zwölfte Brustwirbel bricht, der damals 24-jährige Elektrotechnik-Student ist querschnittsgelähmt. Ein halbes Jahr lang muss der Österreicher, der seit 1973 in Otter- fing wohnt, sein Leben ohne die Kontrolle über die Beine neu erlernen, es geht zurück in den Uni-Alltag, weitere sechs Monate später die Rückkehr zum Sport: Rollstuhl-Basketball. Zum Handbiken kommt Sternath erst mit 35 Jahren. Und jetzt, fünf Jahre später: Paralympics.
In seiner Wettkampfklasse C ist er als Liegebiker allerdings benachteiligt. Er tritt zum Beispiel gegen Beidbein-Amputierte an. Es mutet makaber an, wenn Sternath die Voraussetzungen erklärt: Starter ohne Bein „sind wegen ihres geringeren Gewichts im Vorteil. Sie können kompaktere Bikes bauen und fast ihre gesamte Muskulatur für die Vorwärts-Bewegung benutzen." Doch für falsche Sentimentalitäten ist im Sport kein Platz, im Versehrtensport wohl erst recht nicht.

Den ergonomischen Nachteil will Sternath durch eine bessere Fitness wettmachen. Und durch das neue Handbike aus Karbon. „Eine spezielle Zeitfahrmaschine. Durch das Karbon ist sie bis zu vier Kilogramm leichter als vergleichbare Bikes." Vier Kilo, die Sternath nicht über die 12,3 Kilometer von Peking wuchten muss. Konstruiert und gebaut wird das Bike von seinem Freund und Trainingspartner beim RSLC Holzkirchen, Tobias Fiedler. Er selbst hat die Quali für Peking nicht geschafft, aber wenigstens sein Bike soll eine Spitzenposition erreichen. Obwohl Fiedler das Bike zum Selbstkostenpreis herstellt, bleibt es eine teure Angelegenheit. Sternath greift dafür sein Erspartes an und sucht Sponsoren.
Dabei helfen will ihm Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises Miesbach. Edelmetall bei den Paralympics, das wär's doch, meint er. „Für den Landkreis ist das eine einmalige Chance." Dass Sternath für Österreich startet, sei zweitrangig. Schließlich hat er fast sein ganzes Leben in Otterfing verbracht. Grafwallner sieht sich in der Verantwortung. Er spricht Sponsoren an und will helfen, dass der Traum für Sternath nicht ganz so teuer wird.
Münchner Merkur / 20.03.2008

Um die Ortsgemeinschaft bemüht

Heini Sendhardt und Heinz Siefert bekommen die Bürgermedaille

Heini Sendhardt und Heinz Siefert bekommen die BürgermedailleBild: Ein herzliches Dankeschön verband Bürgermeister Franz Hafner (m.)mit der Überreichung der Urkunden an Heini Sendhardt (1.) undHeinz Siefert.
FOTO: LEDER

Rottach-Egern — Für ihr großes Engagement im Gemeindeleben, das über Jahrzehnte hinweg den Bürgern zugute kam, erhielten jetzt Heinrich „Heini" Sendhardt und Heinz Siefert die Bürgermedaille der Gemeinde Rottach-Egern. Bei der Bürgerversammlung (wir berichteten) lobte Rathaus-Chef Franz Hafner ihre Verdienste und überreichte die Urkunden.
Heini Sendhardt, der beruflich beim Wasserversorgungsverein Egern tätig war, gehörte von 1973 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden 2002 dem Rottacher Gerheinderat an. Als Behindertenbeauftragter der Gemeinde wurden viele seiner Vorschläge umge setzt, so dass ihm etliche Gehsteig-Absenkungen, behindertengerechte Aufzüge und Toiletten in öffentlichen Gebäuden ebenso zu verdanken

Unermüdlicher Einsatz für behinderte und ältere Menschen

sind wie der rollstuhlgerechte Wanderweg am Wallberg. Außerdem engagiert sich Sendhardt im Ortsverband des VdK. Dort ist er maßgeblich an der Organisation der Ausflüge und Feierlichkeiten beteiligt. Der Kommunalen Dankurkunde, die er 2003 erhielt, folgte nun die Ehrung der Heimatgemeinde.

Bei Heinz Sieferts Verdiensten um die Ortsgemeinschaft stellte Bürgermeister Hafner insbesondere das Amt des Schriftführers bei den Wallbergem heraus. Das bekleidet Siefert, der 35 Jahre im Vermessungsamt in Miesbach tätig war, nun seit 20 Jahren. In diesem Rahmen schreibt er die Chronik des Trachtenvereins und archiviert das Vereinsmaterial. Siefert ist außerdem noch bei den Schützen und im Sozialverband VdK engagiert und wirkt bei der Organisation des Fischerstechens mit. Grund genug für die Gemeinde Rottach-Egern, dieser Leistung Anerkennung zu zollen. ak

Holzkirchner Merkur / Oktober 2007

Standortvorteil Barriere-Freiheit


Standortvorteil Barriere-Freiheit (Gruppenfoto)Bild: Ein Markt tut sich auf: Johann Kreiter von der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für alle (vorne I.) legte Touristikern des Landkreises Miesbach die Chancen auf, die Barrierefreiheit bietet: 41 Prozent der behinderten Menschen würden mehr reisen, wenn es nur entsprechende Angebote gäbe.

Die Stimmung war gedämpft: „Einige waren schon erschüttert, mit welchen Barrieren zum Beispiel Rollstuhlfahrer im Alltag zu kämpfen haben", schildert der Behinderten-Beauftragte des Kreises, Anton Grafwallner, die Gefühle der Seminarteilnehmer.

VON HELGA HOCHWIND
Miesbach - Ein blödes Gefühl, im Rollstuhl durch eine zu enge Tür zu müssen. Das stellten Gastronomen, Touristiker und Behinderten-Beauftragte aus dem Kreis Miesbach nun am eigenen Leib fest. Auf Einladung des Tourismusverbandes Alpenregion Tegemsee-Schliersee ging es In zwei Seminaren in Miesbach und Geitau um barrierefreien Tourismus - und darum, die Touristiker dafür zu sensibilisieren. Sich in ein Leben mit Barrieren einzufühlen, in den Menschen. Aber vor allem in den Kunden.

Der Tourismusverband ist überzeugt: Hier schlummert ein gewichtiger Markt. Ältere Menschen, chronisch Kranke und Behinderte, teilweise so von der Alpenregion Tegemsee-Schliersee, dass sie wissen, was auf sie zukommt. „Sie fahren deshalb weniger ins Ausland und bleiben bleiben eher dauerhaft an einem Ort." Und der soll sich natürlich möglichst im Landkreis Miesbach befinden.
„Wir stehen, vor allem was die Infrastruktur betrifft, sehr gut da", sagt Grafwallner. Denn Dinge wie An- und Abreise seien häufig das größte Problem. Mit der Bayerischen Oberlandbahn beispielsweise gar Mütter oder Schwangere - "30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind in gewissen Bereichen auf Barriere-Freiheit angewiesen. Auch sie wollen Ausflüge machen, Kultur erleben und verreisen", erklärt Anton Grafwallner", der Behinderten-Beauftragte des Landkreises. Dass sie das In der Region Miesbach tun können, dafür kämpft er seit Jahren.
Im Landkreis gibt es mittlerweile ein ansehnliches Angebot: Mit dem Rollstuhl auf den Wendelstein, riechen und tasten im Schlierseer Kurpark oder Kirchenführungen für Gehörlose. Ziel der Fortbildungs-Seminare ist es, dass neue Dienstleistungen und Möglichkeiten für diese Gäste entstehen.

Johann Kreiter von der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für alle (Natko) erläutert: „41 Prozent dieser Menschen würden mehr reisen, wenn es entsprechende Angebote gäbe" - und dabei auch noch vorwiegend die schlecht ausgelastete Nebensaison nutzen. Die ideale
Zielgruppe? Der demografische Faktor spricht dafür. „Mit zunehmendem Alter häufen sich Probleme, die Barriere-Freiheit notwendig machen", gibt Grafwallner zu bedenken. „Die Zeichen der Zeit darf man hier nicht verpassen." Und auch die Natko verweist auf ihrer Homepage auf diese Entwicklung. Diese Kunden reisen gern, sie brauchen aber spezielle Angebote. Dazu gehört laut Beate Rauch von der Alpenregion Tegernsee-Schliersee das sie wissen, worauf es ankommt. „Sie fahren deshalb weniger ins Ausland und bleiben lieber dauerhaft an einem Ort." Und der soll sich natürlich möglichst im Landkreis Miesbach befinden.
„Wir stehen, vor allem was die Infrastruktur betrifft, sehr gut da", sagt Grafwallner. Denn Dinge wie An- und Abreise seien häufig das größte Problem. Mit der Bayerischen Oberlandbahn beispielsweise sei außer Tegernsee aber jeder Bahnhof im Landkreis barrierefrei erreichbar. Auch elektrische Rollstühle können Feriengäste sich vor Ort ausleihen. Im Internet lotst der von Grafwallner entwickelte Behindertenkompass Gäste mit Handicap gezielt durch den Angebots-Dschungel. Einzig und allein die Gastronomen lassen auf sich warten.

Nur wenige Hoteliers oder Tourismus-Dienstleister hatten das Seminar besucht. Dabei sollte es doch um sie gehen. Wer trotzdem da war, erfuhr, welche Bedürfnisse Gäste mit eingeschränkter Mobilität haben oder wie sich ein entsprechender Umbau finanzieren lässt. barrierefreie Betriebe will der Tourismus-Verband zertifizieren und gezielt bewerben. „Das ist wichtig für uns Vermieter", sagte die Bad Wiesseerin Uschi Grün, Besitzerin von Ferienwohnungen, über die Veranstaltung. „Schließlich wollen wir doch alle, dass auch in Zukunft viele Gäste zu uns kommen"
Holzkirchner Merkur / 01.10.2007

Keine Barrieren in Bahn und Bus


Tag der offenen Tür für Dialog mit behinderten Fahrgästen -Teilhabe für alle am öffentlichen Personennahverkehr

Dialog mit behinderten Fahrgästen
Bilder:
Den Dialog mit behinderten Menschen sucht Heino Seeger, der mit Unterstützung einer Gebärdendolmetscherin Gehörlose nach ihren Erfahrungen fragte. FOTO:808

VON CHRISTINE MERK-HOLZAPFEL Holzkirchen - Strahlend gelb sind die Haltegriffe in den Bussen des RVO - als sollten sie gute Laune verbreiten. In Wirklichkeit steckt mehr dahinter. „Die leuchtende Farbe ist für Menschen, die schlecht sehen, gut zu erkennen", erklärte Herbert Lausecker, Leiter der RVO-Niederlassung in Tegernsee. Das Sonnengelb erfüllt also einen wichtigen Zweck: Es hilft, den Busverkehr für behinderte Menschen nutzbar zu machen. Solch kleine Details wie die Haltegriffe sind für Menschen mit Handicaps oft ausschlaggebend dafür, ob sie sich allein noch irgendwohin zu fahren trauen oder' nicht.

Die Bemühungen im Landkreis Miesbach, behinderte Menschen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht allein zu lassen, sind groß. Das zeigte sich , am Samstag bei einem „Tag ne Rampe, die der Zugbegleiter offenen Tür" am Holzkirchner Bahnhof , bei dem sich die drei wesentlichen Pfeiler des ÖPNV vorstellten: Bayerische Oberlandbahn (BOB), RVO und Anrufsammeltaxt (AST). Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises, schätzt den Service: „Wir haben mit diesen drei Angeboten Möglichkeiten, um die. uns viele beneiden."

Der RVO beispielsweise kennzeichnet in seinem Fahrplan die Linien, die von einem „barrierefreien" Bus angefahren werden. Bereits 17 der 27 Busse des RVO sind inzwischen so ausgestattet: mit gelben Haltegriffen, einer auslegbaren Rampe, die Rollstuhlfahrern oder älteren Menschen mit einem Gehwagen das Zusteigen erleichtert, und einem großzügigen freien Platz im Fahrgastraum.

Die Busse können seitlich abgesenkt werden, um die Steigung der Rampe möglichst gering zu halten. „Außerdem sollten die Bordsteine an der Bushaltestelle wenigstens 18 Zentimeter hoch sein" erklärte Lausecker. Eine Rampe die der Zugbegleiter über den Spalt zum Bahnsteig legt, ermöglicht das Zusteigen in die Züge der BOB. Wenn der Zugführer beim Einfahren in den Bahnhof einen Rollstuhlfahrer sieht, ruft er den Zugbegleiter", erklärte Armin Nachtschatt, Leiter des Bahnbetriebswerks in Lenggries. Die Rampe befindet sich im vorderen Teil des Zuges. „Pendler wissen das. Die stehen schon an der richtigen Stelle. Für Personen, die nicht oft mitfahren, ist es natürlich schwierig, auch wenn die Informationen vorher beispielsweise über das Internet abrufbar sind."

Einen sehr individuellen Service bietet das AST. „1750 Haltestellen gibt es im Landkreis, und inzwischen sind alle durchnummeriert", informierte Julia Biechl, Ansprechpartnerin in Sachen Nahverkehr beim Miesbacher Landratsamt. Behinderte Menschen, die das Kennzeichen „G" in ihrem Ausweis haben, können sich sogar direkt an der Haustür abholen lassen. Für Gehbehinderte gibt es Taxis, in denen ein Rollstuhl Platz hat. Der Fahrgast müsse allerdings ohne Lift einsteigen können, so Biechl. Wer die Hemmschwelle, das AST auszuprobieren, einmal überwunden ,habe, der könne sehr schnell erkennen, wie einfach das System sei, ist Biechl sicher. „Es genügt ein Anruf, der Fahrgast bekommt den Preis mitgeteilt und wird abgeholt."

Es sind viele Kleinigkeiten, die nicht behinderten Menschen kaum auffallen, für Behinderte aber enorm wichtig sind. Das zeigten die Gespräche, die sich an dem Infotag zwischen Besuchern und den Vertretern der Verkehrsbetriebe entwickelten. Die Details zu verbessern, um allen die Teilhabe am ÖPNV zu ermöglichen, das hat BOB-Chef Heino Seeger als Ziel definiert: „Wir brauchen den Dialog mit ihnen", erklärte er zur Begrüßung. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber die ersten Schritte auf dem richtigen Weg sind getan."

Münchner Merkur / Juli 2007

Barrierefreies Bauen in Köpfen verankern

Behindertenbeauftragte kommt.

Bild: Die Lösung aktueller Probleme der Behinderten streben (v.r.) Landrat Norbert Kerkel, Anita Knochner, Anton Grafwallner und Dominik Hartstein vom Amt für Jugend und Familie an.

Miesbach - „Über die momentane Lösung sind wir Behindertenbeauftragte natürlich nicht glücklich." Mit der Schließung des barrierefreien Eingangs des Strandbades in Schliersee (wir berichteten) packte Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises Miesbach, ein aktuelles Thema an. Anlass war der Besuch von Anita Knochner, Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. „Sie würde uns bei einer Lösung für das Strandbad unterstützen, sogar noch einmal zu uns herauskommen", berichtete Grafwallner gegenüber der Heimatzeitung. Er könne die Situation auf keinen Fall auf sich beruhen lassen.

Miesbach war einer der letzten Landkreise des Freistaates, die Knochner auf einer Rundreise besuchte. „Sie will durch intensive Kommunikation mit den örtlichen Verantwortlichen die Zusammenarbeit verbessern", erläuterte Frank Skodczinski, Pressesprecher des Landratsamtes Miesbach, die Ziele der Behindertenbeauftragten des Freistaates. Für den Landkreis Miesbach fand Knochner vor allem lobende Worte. „Sie war zufrieden", meinte Grafwallner. Unter anderem die Initiative des barrierefreien Tourismus' habe den Gast
beeindruckt. Einen Wunsch haben Knochner und Grafwallner gemeinsam: Dass barrierefreies Bauen ein Automatismus in der Gesellschaft wird. „Ist es erst einmal in den Köpfen verankert, wird es keine Probleme mehr geben", sagte Grafwallner. iw

Münchner Merkur / 15.06.2007

Der Sport verbindet


Bild: Basketball ist nur eine Sportart, die von der Haushamer Sparte Handicap-Integrativ angeboten wird. Hier trainiert Kurt Flierler (I.) mit den Jugendlichen

Gut 100 Tage sind vergangen seit der Neugründung der Sparte Handicap-Integrativ der SG Hausham. „Der Erfolg hat meine Erwartungen übertroffen", sagt Initiator Kurt Flierler erfreut.

VON PATRICIA DUDECK
Hausham - Nach ein paar Schnupperstunden im März meldeten sich rund zehn Kinder und jugendliche beim Verein an. Mittlerweile machen bereits 19 geistig behinderte Sportsfreunde in der neuen Sparte mit. „Und es schauen wöchentlich neue Interessen vorbei", erzählt der Abteilungsleiter Flierler.
Ein Teil der Schützlinge hat eine Basketballgruppe gebildet, die sich sogar schon auf ihr erstes Turnier vorbereitet. Bei den Special Olympics in Rosenheim wollen die Haushamer mit einer Mannschaft den Landkreis Miesbach vertreten.
Die zweite Gruppe übt spielerisch Kooperation und Koordination. Derzeit steht bei ihr Nordic-Walking auf dem Programm. Die Initiatoren Kurt Flierler und Stephan Kaiser, die.gerade die Ausbildung zum Übungsleiter absolvieren, trainieren die jungen Sportler einmal wöchentlich auf der Landkreis-Sportanlage in Hausham - ehrenamtlich. Die Betreuerin Alexandra Aigner wird mit Spenden finanziert, die glücklicherweise immer wieder bei Flierler eingehen. „Gerade in der Anfangszeit sind wir sehr auf finanzielle Hilfe angewiesen.
Vor allem die Übungsleiter Ausbildung ist teuer", erklärt Flierler. Große Unterstützung bekamen sie von Anton Grafwallner, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises.
Und der Bürgertreff Hausham spendete 1000 Euro, nachdem Elfriede Auer, Vorsitzende des Behinderten- und Versehrten-Sportvereins Schliersee, sich für die Belange der Sparte stark gemacht hatte.
Um das Programm erweitern zu können, braucht die Abteilung mehr Platz. Die Haushamer Behindertenbeauftragte Marlies Fellermeier brachte Flierler jüngst mit Bürgermeister Arnfried Färber zusammen. Er bot die Halle der Haushamer Volksschule zur Nutzung an. „Damit könnten wir voraussichtlich ab dem neuen Schuljahr unser Sportangebot erweitern", sagt Kurt Flierler.
Auch zwischenmenschlich ist das Projekt ein Erfolg. Die Mädchen und Burschen kennen sich aus der Schule oder von der Lebenshilfe. Der Sport verbindet. Freundschaften entwickeln sich und werden stärker. Der Freundeskreis wächst über die Landkreisgrenzen hinaus. Gerade bandelt die Gruppe mit dem Behinderten- und Versehrten Sportverein (BVSV) Rosenheim an.

Das Training.

Zum Training treffen sich die Gruppen der Sparte Handicap-Integrativ jeden Freitag von 16.30 bis 18 Uhr an der Landkreis-Sportanlage in Hausham. Kurt Flierler beantwortet gerne Fragen und nimmt Anmeldungen zu Schnupperkursen unter 91 0 80 22 / 70 54 44 entgegen. Der Mitgliedsbeitrag für unter 18-Jährige beträgt 25 Euro. Auch sucht er noch Betreuer und Übungsleiter.

Gelbe Blatt / April 2007

Kostenlose Erlebniskarte ist sehr gefragt

Die Steinadler-Wanderungen der Kreissparkasse sind bei Jägern, Fischern und Urlaubern sehr gefragt

TBO präsentiert sich auf der MesseBild:
TBO-Geschäftsführerin Erika Schultes (li) und der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach Anton Grafwallner (3ter v. li.)

Landkreis (ups) - Die Steinadler Wanderungen der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee sind bei Jägern, Fischern und Urlaubern sehr gefragt. Diese Bilanz zog der Tourismusverband Bayerisches Obertand e.V. (TBO) nach dem gemeinsamen Auftritt mit der Kreissparkasse auf der Messe „Jagen und Fischen" vom 28. März bis zum 1. April in München.
Besonders am Wochenende waren die Broschüren über die Steinadler-Wanderungen der Renner. Als absolute Neuigkeit wurden auf der Messe auch die barrierefreien Steinadler-Wanderungen präsentiert. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach, Anton Grafwallner gab den interessierten Besuchern dazu fachkundig Auskunft.

Der Steinadler-Wanderweg bei Bad Wiessee kann auch mit dem Elektro-Rollstuhl oder mit dem Handbike befahren werden. Der Weg bei Geitau ist im unteren Teil komplett geteert und für geübte Rollstuhlfahrer oder mit Begleitung gut geeignet. Auf dem Wanderweg bei Bad Wiessee können Familien mit Kindern auch eine Fahrradtour machen

Insgesamt 42000 Besucher kamen auf die Messe „Jagen und Fischen", viele davon reisten in Bussen aus ganz Süddeutschland an. Sie interessierten sich am Stand des TBO auch sehr für das Aquadome in Bad Wiessee, vor allem als Familien- und Schlechtwetterangebot. „Die kostenlose Erlebniskarte von Bayrischzell, Fischbachau und Schliersee hat auch reißenden Absatz gefunden", berichtet TBO-Geschäftsführerin Erika Schultes.
"Wandervorschläge aus der Region, Naturerlebnisse wie das Radeln durch den Landkreis Miesbach und Informationen über das Angebot der Bayerischen Oberlandbahn waren weitere Renner auf dieser beliebten Messe." Am Stand konnten sich die Besucher DVD-Filme über den Steinadler, - den Aquadome, über das Tegernseer Tal und Schliersee anschauen.

Insgesamt war der Messeauftritt nach Ansicht von Erika Schultes ein voller Erfolg. „Es waren nur wenige touristische Anbieter auf der Messe vertreten, deshalb waren wir fast konkurrenzlos. Zudem war die Präsentation durch das ideelle und finanzielle Engagement der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee sehr gelungen, für das ich mich sehr bedanken möchte." Die Präsentation auf der „Jagen und Fischen" sah die Kreissparkasse im Rahmen ihres Engagements für den Landkreis als eine gute Möglichkeit an, den Umweltgedanken aber auch den Tourismus weiter zu fördern, da Jäger und Fischer an den Themen ein besonderes Interesse haben. Auf der traditionsreichen Publikumsmesse konnte der TBO das Produkt „Natur erleben" im gesamten süddeutschen Einzugsgebiet bewerben.
„Außerdem konnten wir in der Landeshauptstadt München auch viele Naherholungsgäste für die Ferienregion Tegernsee-Schliersee-Wendelstein gewinnen", freut sich Erika Schuttes.
Holzkirchner Merkur / März 2007

Mangel im Landkreis ist behoben

SG Hausham hat eine neue Sparte: „Handicap - Integrativ"

Bild: Und hoch das Bein! Stephan Kaiser (r.) bei seiner erstenTrainingsstunde mit behinderten Kindern.


VON JULIA WÖLKART
Hausham- Am liebsten hätten sie sofort vorgeturnt. Ein kleines bisschen mussten sich die Kinder und Jugendlichen der neuen Sparte ,.Handicap - Integrativ" der SG Hausham aber noch gedulden. Denn die Initiatoren der Trainingseinrichtung, Kurt Flierler und Stephan Kaiser, hatten zum Pressetermin in die Anton Weilmaier-Schule geladen. um das erste Sportangebot überhaupt für geistig behinderte Kinder und Jugendliche im Landkreis Missbach vorzustellen.
Das war bisher ein echter Mangel, muss man ganz klar sagen", räumte Landkreis-Sportreferent Toni Engelhard ein. Auch der Behinderten-Beauftragte Anton Grafwallner meinte, solch eine Einrichtung sei immer sein: Ziel gewesen. aber irgendwie habe es nie funktioniert. Umso mehr freue ihn nun das „große Engagement der Initiatoren.
Eben den Mangel an Trainingsangeboten für behinderte Kinder im Landkreis Miesbach bekam Kurt Flierler zu spüren, als er für seinen Sohn Dominik etwas suchte, „wo man ihn sportlich einbinden kann". Nur beim Sportbund Rosenheim im Nachbar-Landkreis wurde Flierler fündig. „Das kann ja nicht möglich sein", habe er damals gedacht. Und: „Was die können, das können wir doch auch."
Jetzt hat Flierler es geschafft: Gemeinsam mit dem Lehrer Stephan Kaiser der das Training leiten wird, rief er die Sparte „Handicap-Integrativ" ins Leben. 15 Anmeldungen gibt es bereits. Besonders an dem Angebot ist die Anbindung an e SG Hausham. „Der Verein hat uns sofort sein Interesse signalisiert", meinte Kaiser. „Da gab es nie Bedenken", erinnerte sich
Flierlerr. Durch diese Zusammenarbeit ist die neue Sparte flexibler mit ihren Aktivitäten. Würde zum Beispiel in einem der Kinder ein großes Tennis-Talent schlummern, könnte es irgendwann in der Tennis-Sparte der SG mitspielen erklärte Kaiser.

Beginnen will er das Training allerdings vor allem mit spielerischen Übungen. Erst müsse er auslotsen, was die Kinder können. Angedacht sind später Schwimmen, Volleyball oder Wandern. Eine Einladung zur Kreis Olympiade haben die Kinder von Toni Engelhard schon
bekommen. Und Grafwallner bereitete ebenfalls ein große Freude: Eine Spende von 1000 € versprach er den Verantwortlichen.

Interessierte ohne Behinderung sind genauso herzlich willkommen. „Es soll eine Mischung sein", erläuterte Kaiser. Das Ziel lautet Grafwallner zufolge, Integration. Nur so könnten Spannungen gegenüber Behinderten abgebaut werden.


Tegernseer Zeitung / 05.10.2006

Mit gesegneten Bussen geht es zum Bräustüberl

RVO hat zehn neue Fahrzeuge - Kosten: 2,2 Millionen Euro

Mit gesegneten Bussen geht es zum BräustüberlBild: Brachen zur ersten Sonderfahrt auf (v.l.): M -ChefGotthard Luschner, Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen, Jakob Kreidl, Herbert Lausecker, Pfarrer Josip CabraJa,der Landkreis - Behinderten -beauftragte
Anton Grafwallner (m.), Rottachs Bürgermeister Franz Hafner, VeitBodenschatz und Kreuths Vize-Burgermeister Richard Kölbl. Foto: Leder

VON ISABELLA KLEMENT
Tegernsee - Die erste Sonderfahrt mit den neuen Bussen führte direkt zum Bräustüberl. Zuvor segneten der evangelische Pfarrer Martin Weber und sein katholischer Kollege Josip Cabrala die Fahrzeuge. Fünf Busse hat die RVO-Niederlassung Tegernsee erworben. Zählt man die fünf Neuanschaffungen aus dem vergangenen Jahr hinzu, so verfügt die Niederlassung nun über zehn modern ausgestattete und behindertengerechte Busse. Kosten: rund 2,2 Millionen Euro.


Eigentlich hätte die Segnung unter freiem Himmel stattfinden sollen, wegen des unsicheren Wetters wichen die Ehrengäste jedoch in die Fahrzeughalle aus. Mit lobenden Worten würdigte der Stellvertretende Landrat und Landtagsabgeordnete Jakob Kreidl die „wirtschaftliche Leistung" des RVO. .,Gerade für den Landkreis Miesbach ist die Neuanschaffung der Busse von zentraler Bedeutung", meinte Kreidl. „Unser Landkreis ist von einem immer stärker wachsenden Individualverkehr geprägt." Vor allem an den Wochenenden und an Feiertagen könne man die Auswirkungen sehen: Dichter Verkehr auf den Straßen,
auch Stau sei keine Ausnahme. „Um den Individualverkehr zu verdrängen, gewinnt der öffentliche Nahverkehr an Bedeutung", so Kreidl.

Neben der Entlastung der Straßen erfüllen die neuen Busse eine weitere Aufgabe: Alle zehn Busse sind behindertengerecht ausgerüstet, wie der Tegernseer RVO - Niederlassungsleiter Herbert Lausecker ausführte. So sind in den Fahrzeugen die Haltegriffe und Stangen in der Signalfarbe Gelb gehalten und so für sehbehinderte Fahrgäste relativ leicht zu erkennen. Vier der neuen Fahrzeuge sind zudem mit einer Niederflurtechnik ausgestattet. Per Knopfdruck kann sich der Bus zum Gehsteig hin absenken, das Ein- und Aussteigen soll so erleichtert werden.

Einstiegsrampen für Rollstuhlfahrer

Außerdem sind in den Fahrzeugen im hinteren Türbereich Einstiegsrampen für Rollstuhlfahrer integriert. Eine doppelt breite Tür und ein extra großer Platz im Bus sollen vor allem Rollstuhlfahrern und Fahrgästen mit Kinderwagen die Nutzung erleichtern.

Auch für längere Reisen hat die RVO-Niederlassung Tegernsee.. nun einen Bus einen Überlandlinienbus, wie der RVO-Geschäftsführer Veit Bodenschatz erklärte. Das Fahrzeug verfügt über 49 Sitz- und 30 Stehplätze und eine moderne Klimaanlage.

Die neuen Busse werden künftig im ganzen Landkreis Miesbach für den Berufs-, Schüler- und Linienverkehr eingesetzt. Zuvor jedoch überzeugten sich die Bürgermeister und die anderen Ehrengäste vom Komfort der Busse und ließen sich zum Weißwurst-Frühstück zum Bräustüberl nebenan kutschieren. .

Miesbacher Merkur / Juli 2006

Behinderten-WC ein wichtiger Mosaikstein

Neue Toilette im Tegernseer Rathaus

Neue Toilette für Behinderte  im Tegernseer RathausBild: Freuen sich über das neue behindertengerechte WC im Rathaus (v.l.): Anton Grafwallner, die Tegernseer Behinderten-Beauftragte Verena Zürl, Petra Berger von der Tourist-Information Tegernsee und Bürgermeister Peter Janssen. Foto: P!ettenberg

Tegernsee (gab/jos) - Die Stadt Tegernsee hat einen „weiteren Mosaikstein für den barrierefreien Tourismus" gesetzt, wie es der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach. Anton Grafwallner, ausdrückte. Im Erdgeschoss des Rathauses, auf der Rückseite des Gebäudes, wurde dieser Tage ein behindertengerechtes WC in Betriebgenommen. Dies, so Bürgermeister Peter Janssen. bedeute zugleich das Ende einer Notlösung. Bislang nämlich habe es lediglich im Haus des Gastes eine solche Toilettegegeben. Das WC im Rathaus, das die Stadt laut Janssen rund50.000 Euro gekostet hat, kann rund um die Uhr von Menschen mit Handicap genutzt werden, da es mit einem so genannten Euroschlüssel zu öffnen ist, Wie der Bürgermeister weiter betonte, sei im Zuge der Maßnahme auch ein Behinderten-Parkplatz vor dem Rathaus zur Bundesstraße hin eingerichtet worden. Das sind wichtige Neuerungen auch für unsere Gäste". zeigte sich Janssen überzeugt.

Miesbacher Merkur, Oktober 2005

Behinderte sind auf das AST angewiesen


Mit einer Resolution an alle Kreisräte reagieren dieBehindertenbeauftragten aus dem Landkreis Miesbach auf diedrohende Einstellung des Anrufsammeltaxis (AST). „Behinderte Menschen sindauf das AST angewiesen”, betonte Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises Niesbach, bei der jüngstenTagung der Behindertenbeauftragten. "Wenn das AST eingestellt wird, dann haben viele keineMöglichkeit mehr, sich mobil zu bewegen", sagte Grafwallner. Zwölf Prozent aller Fahrten mit dem AST im Landkreis Miesbachseien 2004 von behinderten Menschen genutzt worden. Im Vergleich zu 2003 sei dieZahl um vier Prozent gestiegen und zeige: „Das AST wird genutzt", so Grafwallner. Die Zahlen widersprächen so derBehauptung, die der Kreisausschuss im September geäußert hatte,dass keine ausreichende Nachfrage für das AST-Angebot bestehe. Um den Bedarfder Behinderten an dem Angebot zu demonstrieren, einigten sich dieBeauftragten einstimmig auf das Resolution-Schreiben. a ik.

Diskusssion über barrieretreien Tourismus
Unter Leitung von Anton Grafwallner (v.l.) diskutierten die Behindertenbeauftragten über einen barrierefreien Tourismus.

Wir müssen mehr Präsenz zeigen

Behindertenbeauftragte beraten über barrierefreienTourismus

VON ISABELLA KLEMENT
Miesbach - Hat der barrierefreie Tourismus eine Zukunft im Landkreis ? Diese Frage stellten sich die Behindertenbeauftragten aus dein Landkreis Miesbach anlässlich ihrer Herbsttagung. Und eigentlich war die Antwort schon im Vorfeld ein klares Ja. Doch wie der Weg zum barrierefreien Tourismus im Genauen aussieht, darüber diskutierten die 13 Landkreisvertreter knapp drei Stunden lang.

Schon als die einzelnen Behindertenbeauftragten zu der Tagung von den Erfolgen und Problemen ihrer Arbeit berichteten, wurde klar: Es besteht Handlungsbedarf. Noch nicht in allen Bereichen ist der Landkreis barrierefrei, das heißt, auf Menschen mit Behinderungen abgestimmt. „Probleme haben wir überall, aber wir können sie lösen”, sagte Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises Niesbach.
Für den Tourismus würde sich durch behindertengerechte Einrichtungen eine lukrative Einnahmequelle öffnen, betonte Grafwallner. Denn mobilitäts- und aktivitätseingeschränkte Menschen stellen ein besonderes Klientel dar. Einige der Vorzüge für den touristischen Anbieter seien die meist längere Aufenthaltsdauer und die höhere Zielgebiets-Treue, so Grafwallner. Außerdem würden Menschen mit Behinderungen oft in der Nebensaison verreisen und so für eine zusätzliche Auslastung von Hotels und anderen Einrichtungen sorgen.

Hinweise an der Baustelle
Um den Weg zum barrierefreien Tourismus zu ebnen. bedarf es der Aufklärungsarbeit. „Wir müssen mehr Präsenz zeigen”, sagte Helga Geldhauer, Behindertenbeauftragte der Gemeinde Irschenberg. „Wir müssen die Bauherren verstärkt dazu drängen, barrierefrei zu bauen.” Der direkteste Weg sei es, vor Ort an der Baustelle auf behindertengerechte Maßnahmen hinzuweisen, meinte Schliersees Behindertenbeauftragter Erwin Fottner.
Ein Fragebogen soll die Arbeit der Behindertenbeauftragten künftig erleichtern. Anhand einzelner Punkte können sich Bauherr und Architekt darin über die behindertengerechte Bauweise von Hotels und Gaststätten informieren. Über bereits vorhandene barrierefreie Einrichtungen im Landkreis soll bald ein Flyer Aufschluss geben. Grafwallner präsentierte den Anwesenden den ersten Entwurf. Von Hotels bis zu Museen sind darin viele Einrichtungen aufgeführt, die auch für mobilitäts- und aktivitätseingeschränkte
Menschen nutzbar sind.

Miesbacher Merkur, 02.08.2005

Riechen und Tasten: Ein Garten für dieSinne

Kleinod im Schlierseer Kurpark eröffnet

Eröffnung des Duft- undTastgartens in SchlierseeBild: Erwin Fottner (2.v.l.) schnitt im Beisein von Beate Rauch, AntonGrafwallner und Toni Scherer (v.l.) eine Girlande durch. Somit warder Garten der Sinne im Schlierseer Kurpark eröffnet. Er befindetsich an der Stelle, an der früher das Schachbrett angelegt war. Foto tp

Von Tanja Bitterer
Schliersee - Johanniskraut, Salbei, Pfefferminze - Kräuter, die wohl bekannt sind. Wie aber sehen diese Pflanzen aus ? Und wie riechen Ehrenpreis, Indianernessel und Moossteinbrech ? Fragen, die jetzt im Garten der Sinne beantwortet werden. Dieser wurde jüngst im Schlierseer Kurpark unter den Klängen des Schlierseer Alpenchors und im Beisein zahlreicher Besucher eingeweiht.

Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das der Arbeitskreis Landschaftsplan unter Federführung von Gemeinderätin Beate Rauch auf die Beine gestellt hat. Viele fleißige Hände halfen mit, um das Kleinod - ein Hochbeet mit Blumen und Kräutern mit Palisaden aus Robinienholz -, das auch für Behinderte zugänglich ist, entstehen zulassen.
Daher
all jenen, die ihr bei der Umsetzung geholfen haben. Unter anderem der Gartenbauvereinen Schliersee, die Firma Dieter Rotter, die Firma Kieninger, zahlreiche Privatleute sowie Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises. Er hat aus den Geldern der Aktion „Leser helfen Lesern" der Heimatzeitung einen Teil des Geldes abgezweigt und für das Projekt gespendet. Beratend zur Seite standen Schliersees Behindertenbeauftragter Erwin Fottner und Friedrich Gerlmaier vom Blindenbund aus Bad Aibling.
Ein besonderes Dankeschön richtete Rauch in ihrer Ansprache an Reiner Pertl, Gärtner der Gemeinde. "Er ist der Ideengeber, hat das Projekt geplant, hat die Vorauswahl der Pflanzen getroffen und hatte die Bauleitplanung inne", betonte Rauch.
galt der Dank Rauchs auch
Pertl freute sich, "dass alles so gut gelungen ist" und hofft, „dass es Nachahmer geben wird". Im Kurpark seien nämlich durchaus noch Plätze für weitere Projekte frei. Dem stimmte auch Bürgermeister Toni Scherer zu, der in seiner Rede die Bedeutung der Natur für den Menschen hervorhob. Warum der Garten der Sinne auch für Behinderte geeignet sei, erklärte Erwin Fottner, nachdem er gemeinsam mit Grafwallner und Scherer das Kleinod eröffnet hatte. „Die Leisten sind glatt gehobelt, und die Brüstung ist mit ihren 80 Zentimetern Höhe ideal für Rollstuhlfahrer", sagte er. Bald sollen auch Schilder angebracht werden, auf denen die Pflanzen in normaler und in Braille-Schrift vermerkt werden.

Miesbacher Merkur 12.05.2005

In der Gemeinschaftt stark: Zehn Jahre MS-Selbsthilfegruppe

In Rottach-Egem auf Jubiläum angestoßen

MS-Selbsthilfegruppe, 10 Jahresfeier Bild: Feierten gestern mit etlichen Gasten das zehnfahrige Bestehen derMS-Selbsthilfegruppe (v.v.I.): Alfred P. Gaßner, Anton Grafwalinee, Georg Höß undBurgermeister Franz Hafner. Foto: Plettenberg

VON IULIA PAWLOVSKY

Rottach-Egern - „Als Nicht-Behinderter geht man oft blind durchs Leben”, stellte Rottachs Bürgermeister Franz Hafner gestern bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Multiple Sklerose (MS)-Selbsthilfegruppe Tegernseer Tal und Umgebung in den Gsotthaber Stuben in Rottach-Egern fest. Um den Belangen der Betroffenen mehr Gehör zu verschaffen und um sich gegenseitig auszutauschen, haben der heutige Gruppenleiter Georg ließ und Gruppensprecher Anton Grafwallner einst die Gruppe ins Leben gerufen

Die Mitglieder treffen sich jeden dritten Freitag im Monat im Strandcafe Seeglas. „Wenn man schwerbehindert ist, wenn man auf den Rollstuhl angewiesen ist, wird das Leben manchmal zur Tortur”, wusste Grafwallner, zugleich Behinderten-Beauftragter des Landkreises, aus eigener Erfahrung zu berichten. Mittlerweile sei die Infrastruktur im Landkreis jedoch immer besser auf Behinderte ausgerichtet. Die Eröffnung der behindertengerechten Toilette im Kur- und Kongress-Saal in Rottach-Egern sei dafür ein gutes Beispiel, meinte der Gruppensprecher. In seinem Grußwort blickte Grafwallner auch auf die zahlreichen Aktionen der Gruppe zurück. So nehmen die Mitglieder jährlich an Flohmärkten teil.
Mit dem eingenommenen Geld werden teils die Ausflüge finanziert. So ging es unter anderem mit dem Bus auf den Wendelstein und auf die Zugspitze. „Sonst müssen wir immer hochschauen - auf den Bergen können wir endlich mal von oben nach unten schauen”, meinte Grafwallner.

Alfred P. Gaßner, Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Bayern, lobte die Arbeit der Gruppe. Schließlich habe schon der jetzige Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im vergangenen Jahr gesagt: Man brauche die Gemeinschaft - „und der muss es ja wissen”, meinte der Ehrenvorsitzende. An schließend verlieh er HOB und Grafwallner jeweils die Ehrenurkunde der DMSG mit goldener Anstecknadel. „Hinter jedem berühmten Mann steht die jeweils entsprechende Frau”, mit diesen Worten ehrte Gaßner Anette Grafwallner für ihr ehrenamtliches Engagement mit einer Dankesurkunde.
Nach dem Mittagessen standen noch ein Jubiläumsschießen im Schützenheim und parallel dazu zwei Führungen im Kutschenmuseum auf dem Programm.

Bildergalerie: 10 Jahre MS-Gruppe

10 Jahre MS-Gruppe. Feier 10 Jahre MS-Gruppe. Feier

10 Jahre MS-Gruppe. Feier 10 Jahre MS-Gruppe. Feier

10 Jahre MS-Gruppe. Feier 10 Jahre MS-Gruppe. Feier

Holzkirchner SZ, 24.11.2003

Wir wollen Gleichstellung und Selbstbestimmung

Grafwallner fordert weitere Anstrengungen für ein „gutes Zusammenleben"
Kerkel fordert „Abbau der Barrieren in den Köpfen"

 Anton Grafwallner Bild: Anton Grafwallner fordert eine"völlige Gleichstellung" özl

Von Konstanze Neubauer
Landkreis- In Bayern leben etwa eine Million Menschen mit Behinderungen. Im Landkreis sind etwa 6400 Personen betroffen. Deren Lebenssituation verbessern soll das „Bayerische Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderung", das seit dem 1. August in Kraft ist. Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises, ist mit dem Gesetz überwiegend zufrieden. Besonders wichtig sei, sagt Grafwallner, dass erstmals festgelegt ist, was „barrierefrei" bedeutet: Ein Gebäude oder ein Ort muss ohne Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich sein. Doch das Gesetz bringt weitere Änderungen: Anerkannte Behindertenverbände erhalten Verbandsklagerecht. „Die Verbände werden darauf drängen, dass sämtliche Bahnhöfe barrierefrei gemacht werden", ist sich Grafwallner sicher. Kommt die Deutsche Bahn dem nicht nach, könnten die Verbände klagen.
Barrierefreiheit gilt in Zukunft auch für alle neu geplanten Kultureinrichtungen, Sportstätten und öffentlichen Toilettenanlagen. Gaststätten müssen, wenn sie neu gebaut oder umgebaut werden, eine behindertengerechte Toilette im Erdgeschoss haben. Internetseiten sind in Zukunft so zu gestalten, dass sie auch von Sehbehinderten genutzt werden können. „Das betrifft alle Homepages, die der Bund, die Kommunen oder politische Parteien ins Netz stellen. Barrierefreie Seiten findet man derzeit noch sehr wenig", bedauert Grafwallner.
Der „Behindertenkompass" - ein Touristikführer durch den Landkreis Miesbach mit allen wichtigen Informationen für behinderte Menschen - ist dagegen fast barrierefrei.

Kommunen müssen Behindertenbeauftragte einsetzen, die sich um die Belange der Menschen mit Behinderung kümmern. Im Landkreis Miesbach gibt es mittlerweile in jeder der 17 Gemeinden einen ehrenamtlichen Beauftragten, seit auch Warngau jemanden für dieses Amt gefunden hat. „Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat dagegen bisher keinen Behindertenbeauftragten. Hier wird sich etwas tun müssen."

Zwar erfüllt das Gesetz viele Forderungen, einige Details wurden jedoch nicht umgesetzt. So wurde etwa das Verlegen von Kopfsteinpflaster nicht verboten. „Wegen den Unebenheiten ist es schwer, mit dem Rollstuhl
darauf zu fahren, auch für ältere Leute, Blinde oder Mütter mit Kinderwagen ist das Pflaster absolut unangenehm", sagt Grafwallner, der selbst seit einigen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. Derzeit wird in Gmund im Rahmen der Städtebauförderung das Gelände um das Rathaus neu gestaltet. „Ein Teil der Gemeinderäte und der Architekt wollten unbedingt Kleinsteinpflaster. Wir haben aber einen Kompromiss gefunden, sodass nun zwischen dem Pflaster ein Geh- und Fahrweg mit 1,20 Meter Breite verlegt wird, um einen barrierefreien Weg zu ermöglichen." Wichtig ist ihm, dass gerade bei der Städtebauförderung, der Dorferneuerung oder dem Denkmalschutz, die Genehmigungsbehörde, sprich die Regierung von Oberbayern, in Zukunft Anträge ablehnt, welche die Barrierefreiheit vernachlässigen.

Laut Grafwallner gilt das Gesetz ab sofort für alle neuen Vorhaben. Hohe Ausgaben sieht er auf die Kommunen trotzdem nicht zukommen: „Bei richtiger Planung des Architekten belaufen sich die Mehrkosten laut Architektenkammer lediglich auf zwei bis drei Prozent." Die Architektenkammer sei dafür aufgeschlossen, nur gebe es leider immer noch Architekten, die nicht barrierefrei planen könnten.
Tegernseer Zeitung, 20.11.2003

Rollstuhltauglichen Wanderweg begeistert eingeweiht

Kinder der Pfennigparade genossen Ausflug nach Rottach

Einweihung eines für Rollstühle befahrbaren Wanderwegs

Von Ingrid Versen
Rottach-Egern - „Ich wünsche mir, dass dieser Weg den Behinderten aus nah und fern
viel Freude bringt." Mit diesen Worten eröffnete gestern Rottachs Bürgermeister
Franz Hafner den nun auch für Rollstühle befahrbaren Wanderweg vom Wallbergbahn-Parkplatz bis nach Kreuth, der über insgesamt 3,4 Kilometer eine herrliche Aussicht bietet. Diese Aktion sei ein kleiner Beitrag zum Jahr der Menschen mit Behinderungen, so Hafner.
Pünktlich um elf Uhr hatte der Rottacher Behindertenbeauftragte Heinrich Sendhardt neben Hafner auch Vizebürgermeister Josef Lang, zahlreiche Gemeinderatsmitglieder, den Tourist-Informations-Chef Michi Götz und den selbst auf den Rollstuhl angewiesenen Landkreis-Behindertenbeauftragten Anton Grafwallner begrüßt. Neben der schreibenden Zunft war auch der Bayerische Rundfunk gekommen, um aktuell zu berichten. Im Mittelpunkt der geladenen Gäste: sieben Schüler im Rollstuhl von der Pfennigparade München, die mit ihrem Lehrer Tobias Zach und der Krankengymnastin Kinga Richter in einem behindertengerechten alten Bus aus der Landeshauptstadt eintrafen und als Premierengäste die Schönheit des Weges erleben durften.

Für die Umsetzung der Idee hatte sich Sendhardt stark gemacht, dessen zwölfjähriger Enkel Michael an Ataxie leidet. Kein Wunder also, dass der Rottacher Behindertenbeauftragte durch das Erleben in der eigenen Familie eine ganz besonders
feine Antenne für die Schwierigkeiten von Behinderten im Alltag entwickelt
hat.
„Jeder von uns kann morgen an den Rollstuhl gebunden sein und ist dann auch froh, wenn andere Mitmenschen Anteil nehmen und sich engagieren", bekannte
Hafner, der stets ein offenes Ohr hat, wenn Sendhardt mit neuen Vorschlägen an ihn herantritt. Dazu gehörte auch das aktuelle Projekt: eine behindertengerechte Toilette im Ortskern.

„Wir werden diesen Weg in unsere Internetseite aufnehmen, damit er im Umkreis
möglichst bekannt wird", strahlte Anton Grafwallner ob des gelungenen Werkes.
Nach 150 Metern begrüßten zwei Blasmusiker die große Gästeschar. Sogar die Ortsfahne war zur Feier aufgezogen. Sepp Stadler überreichte der Kinderbetreuerin ein schmuckes Körbchen mit Wald- und Wiesen-Honig für ein gesundes Frühstück.

Alle Kinder bekamen von Bürgermeister Hafner Schlüsselanhänger mit Rottacher Wappen geschenkt: „Das ist ja geil, Herr Bürgermeister", entschlüpfte es spontan einem begeisterten Bub im Rollstuhl, der so großes Gelächter auslöste. Auf dem Rückweg zum Wallberg Parkplatz konnten die Kinder noch einige Vogelhäuserl
reinigen, und Förster Thomas Esterl hatte den Großstadtkindern viel über den Wald
und seine Bewohner zu erzählen.

Miesbacher Merkur, Nr. 69 / 24.03.2003

Möge jeder einen Funken Hoffnung mitnehmen

Begeisternder Abend mit Musik und Theater Von Tatjana Bitterer

Hausham -„Heute ist ein begeisternder Abend von besonderer Note, den wir nicht vergessen werden", stellte Landrat Norbert Kerkel fest. Er war einer von zahlreichen Ehrengästen, die den Weg zur Auftakt-Veranstaltung zum„Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderungen" in den Haushamer Alpengasthof "Glück Auf" gefunden hatten.

Veranstaltung zum„Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderungen

VON TANJA BITTERER Hausham -„Heute ist ein begeisternder Abend von besonderer Note, den wir nicht vergessen werden", stellte Landrat Norbert Kerkel fest. Er war einer von zahlreichen Ehrengästen, die den Weg zur Auftakt-Veranstaltung zum „Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderungen" in den Haushamer Alpengasthof "Glück Auf" gefunden hatten. Unter dein Motto „together - alle gemeinsam" fand dort ein bunter Abend mit ''Theater, Musik, Tanz und einigen Grußworten statt.
In einer leidenschaftlichen Rede betonte Landrat Kerkel, wie wichtig es sei, dass solche Veranstaltungen stattfinden würden.
Oft seien es Kleinigkeiten, die behinderten Menschen das Leben erschweren würden. Dies sei ihm in Gesprächen mit dem Behindertenbeauftragten Anton Grafwallner, der den Abend, „der ausstrahlt und mein Herz übergehen lässt" überhaupt erst möglich machte, klar geworden. Wir gehören alle zusammen und sind eine
Schicksalsgemeinschaft. Es ist unbegreiflich, dass wir uns gegenseitig bekriegen, im Großen wie auch im Kleinen, gab Kerkel zu bedenken. Moderator Nico Schifferer der von Gebärden-Dolmetscherin Hannelore Kaltenegger gekonnt unterstützt wurde, führte humorvoll durch diesen Abend. Ankündigen konnte er zahlreiche Mitwirkende, die die Veranstaltung künstlerisch bereicherten.

Mit „Winnie the witch" zauberten die Schüler der Anton-Weilmaier-Schule in Hausham ein amüsantes Schwarzlicht-Theater auf die Bühne, und die Tanzgruppe „Step in life" der Heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe wirbelte voller Freude zu Stücken aus Musicals über die Bühne und durch das Publikum. Einen großen Auftritt mit „Eine Nacht im Zoo" hatte die Theatergruppe der Offenen Behindertenarbeit. Begeistern konnten die Rolling Dancers, die ihre Rollstühle graziös zu Musik bewegten. Umrahmt wurde die Veranstaltung von den Blinden Musikern aus München, die das Publikum mit ihrer Vielseitigkeit überraschten. Der Leitende Sportarzt der Paraloympics in Sydney, Dr. Markus Zimmer, informierte über die Möglichkeit, trotz Behinderung Sport zu treiben. Nicht fehlen durften die Buchvorstellung „So kochen wir" von der Anton-Weilmaier-Schule und verschiedene Informationsstände. Ein Kurzreferat über die Schwierigkeit, Arbeit für behinderte Menschen zu finden, hielten Schulleiter Herbert Wilgermein und Gertrud Schäffer von der Anton-Weilmaier-chule. Mit den Worten „Möge jeder einen Funken Hoffnung aus diesem Abend mit nach Hause nehmen", schloss Schifferer die Veranstaltung.

Anton Grafwallner, Moderator Nico Schifferer und Gebärden-Dolmetscherin Hannelore KalteneggerBild: Anton Grafwallner (r.), auf der Bühne zusammen mit Moderator Nico Schifferer und Gebärden-Dolmetscherin Hannelore Kaltenegger fordert das Recht auf Selbstbestimmung ein. "Es bewegt sich was im Landkreis" Anton Grafwallner kündigt neue Wege an

Hausham (bit) - Als den Mann, „der hier alles auf die Beine gestellt hat", kündigte Moderator Nico Schifferer den Behindertenbeauftragten des Landkreises Miesbach, Anton Grafwallner, an. „Es bewegt sich was im Landkreis", stellte dieser fest, auch wenn es nach wie vor schwierig sei, Arbeit für Behinderte zu finden. „Da müssen wir neue Wege gehen", kündigte Grafwallner an. Die in diesem Jahr geplanten Veranstaltungen wie beispielsweise ein Kurs für Gebärdensprache, eine Rollstuhlwanderung mit einem Förster und eine Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten mit dem Titel, "Pflegeverunsicherung" sollen dabei helfen, gemeinsame Ziele zu erreichen. „Wir wollen Teilhabe am Leben statt gut gemeinter Fürsorge und das Recht auf Selbstbestimmung statt Bevormundung", betonte Grafwallner.

Bad Wiessee aktuell / 06.11.2002

Erste Braille-Büste Bayerns steht in Bad Wiessee


Mit großem Respekt bestaunte Vizebürgermeister Kurt Sareiter, wie der Blinde Friedrich Gerlmaier die gesamte Rede mit fliegenden Fingern von seinem in Braille-Schrift verfassten Manusript ablas und zwar in atemberaubender Schnelligkeit.

Ein Jahr nach der Eröffnung des Wiesseer Duft- und- Tastgartens und 150 Jahre nach dem Tod des Erfinders der Blindenschrift, Louis Braille, wurde jüngst in der Anlage an der Wiesseer Kurpromenade eine Marmorbüste Brailles enthüllt

Der Duft- und Tastgarten, der es vor allem blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen soll rund 70 verschiedene Pflanzen mit Geruchs- und Tastsinn zu erleben, erhielt somit die erste Büste des Blindenschrift-Erfinders in ganz Bayern.
Das unterstrich in seinem Grußwort bei lauem Herbstwetter Friedrich Gerlmeier, der sich selber als „Ideengeber" für den Bezirk Bad Aibling/Rosenheim im Bayerischen Blindenbund bezeichnet.

Simone Steger Bild: Viel Applaus und einen großen Blumenstrauß erhielt die junge Aiblinger Bildhauerin Simone Steger für ihr gelungenes Werk

Die junge Aiblinger Bildhauerin Simone Steger hatte Gerlmeier bei einem Konzert des Blindenorchesters München in Bad Aibling getroffen - aus dieser Bekanntschaft erwuchs der Auftrag für die Kunsthistorikerin, die als Vorlage für die Braille-Büste lediglich 2 Fotografien hatte.
In seinem geschichtlichen Ausflug hatte Wiessees Vize-Bürgermeister Kurt Sareiter die Verdienste Brailles hervorgehoben. Sein Dank galt den Sponsoren, die diese Büste ermöglicht hatten, dem Landkreis, dem Rotary-Club Miesbach-Schliersee, der Heimatzeitung der Gemeinde Bad Wiessee, sowie den Helfern von Bauhof und Gemeindegärtnerei. Für musikalische Auflockerung sorgte das Blinden-Orchester aus München, dem für seine Darbietungen der Applaus der zahlreichen Zuschauer und -hörer sicher war. Vizebürgermeister Sareiter, der von Kurdirektor Peter Hölzlein und Peter Rie (Touristinformation) begleitet wurde, begrüßte in seiner Rede anlässlich der Enthüllung auch Pfarrer Hans Hamherger, den Behindertenbeauftragten des Landkreises, Anton Grafwallner, sowie Wiessees Polizeichef Wilhelm Sigel.
Tegernseer Zeitung, 06.11.2002

Behinderte im Tourismus als Kunden betrachten

Anton Grafwallner referiert in Düsseldorf

Anton Grafwallner referiert in Düsseldorf Bild: Behinderten-Beauftragter Anton Grafwallner präsentierte in Düsseldorf seinen Behinderten-Kompass. Foto: privat

Gmund/Düsseldorf - Wo kann man besonders gut spazieren rollen ? Was erwartet einen im Wiesseer Duft- und Tastgarten ? Wo können sich auch Menschen mit Behinderungen im Landkreis mit touristischem oder kulturellem Hintergrund bewegen ?
Diese Fragen soll der Behindertenkompass für den Landkreis Miesbach beantworten helfen, den dessen „Erfinder" Anton Grafwallner jüngst in Düsseldorf vorstellte.
„Barrierefreie Kommune - machbar oder Utopie ?" Unter diesem Motto stand ein Kongress, zu dem der Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen neben Vertretern kommunaler Spitzenverbände auch Behinderten-Beauftragte nach Düsseldorf eingeladen hatte - unter den Eingeladenen der Behinderten-Beauftragte des Landkreises Miesbach, Anton Grafwallner. Im Rahmen eines Vortrags stellte Grafwallner den Anwesenden seinen Behinderten-Kompass für den Landkreis vor - eine Internet Plattform mit aktuellen Hinweisen, Datenbanken zum Nachschlagen und Termin-Kalender - alles für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. "Nachdem ein Großteil der Angebote und Stationen im Landkreis touristisch ausgerichtet sind, ist auch der Kompass mit einem Schwerpunkt für den Fremdenverkehr erstellt worden", so Grafwallner. Es sei nicht sinnvoll, den Leitfaden auf Papier zu drucken, weil der Kompass ständig aktualisiert werden soll.

Ziel sei es, Menschen in anderen Gebieten durch den Kompass zu zeigen, wie sie einen für sie problemlosen und dabei aktiven und abwechslungsreichen Urlaub im Landkreis Miesbach verbringen können. Dabei geht es sowohl um das Schildern örtlicher Gegebenheiten als auch um spezielle Anlagen und Einrichtungen, die das Zurechtkommen für behinderte Menschen deutlich erleichtern.

„Angebote schaffen"
Eines seiner Hauptanliegen sei es jedoch, dass Menschen mit Mobilitäts-Einschränkungen stärker als touristische Zielgruppe erkannt und umworben werden. „Und dafür ist die Voraussetzung, dass man für diese Gruppe auch attraktive Angebote schafft", so Grafwallner. Der Gmunder wünscht sich, dass Behinderte ebenfalls „einfach" als Kunden gesehen würden. „Letztlich hängt es von den Behinderten selber ab, was sie sich gefallen lassen."